Anlagenkolumne

Billig aber riskant: Aktien europäischer Banken

Europäische Bankaktien erscheinen billig, doch sollten Anleger achtsam bleiben. Die Branche leidet unter Regularien und Stresstests.

Von Gottfried Urban Veröffentlicht:

Europäische Banken verlieren seit Jahren immer mehr an Börsenwert. Während die großen US-Bankaktien in fast 15 Jahren im Schnitt immerhin das Kursniveau vor dem Ausbruch der Finanzkrise unter großen Schwankungen wieder erreichen konnten, haben Aktien der größten europäischen Banken im gleichen Zeitraum durchschnittlich 80 Prozent Wertverlust für den Anleger eingefahren.

Seit der Finanzkrise, als viele Institute am Abgrund standen, belasteten strengere Regularien und Kapitalanforderungen die Profitabilität. Unsicherheit gibt es auch bei vielen europäischen Instituten wegen ihres Engagements in angeschlagenen und überschuldeten EU-Ländern.

Zinsmargen schmelzen

Die Zinsmargen schmelzen ebenfalls immer mehr zusammen (Negativzins). Dazu treiben aufsichtsrechtliche Regulierungsvorschriften und erhöhte Eigenkapitalanforderungen die Kosten nach oben. Probleme, die US-Banken in der Schärfe nicht zu tragen haben. Internetplattformfirmen und Onlinebezahlunternehmen drängen zudem in das klassische Bankgeschäft.

Die Institute müssen kapitalintensive und riskante Bereiche wie das Investment-Banking verkleinern, um Stresstests besser bestehen zu können. Zudem geraten die Großbanken auch aus Eigenverschulden immer wieder ins schiefe Licht. Auf der Suche nach einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell ist man noch nicht richtig fündig geworden. Weitere Fusionen sowie massive Filialschließungen sind zu erwarten.

Auch wenn die Aktien der Banken billig erscheinen, es ging bisher immer noch weiter nach unten. Wir sind seit Jahren achtsam und wollen in den von uns ausgewählten Fonds wenig Bankaktien sehen, auch bei den Einzelaktien meiden wir die Branche. Wir können aber für die Zukunft nicht ausschließen, dass sich die Banken kräftig erholen.

Es gibt auch zahlreiche positive Aspekte wie Marktposition und Markenname von Instituten, vielleicht ergeben sich Chancen und Kooperationen, die wir im Moment noch nicht sehen. Es gibt bessere Branchen um sich fürs Alter ein gutes Depot mit Perspektive zusammenzustellen.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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