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Biosyn produziert Selen jetzt selbst

Metallsalze unter Reinraumbedingungen werden ab sofort bei dem Unternehmen Biosyn hergestellt.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Für die neue Anlage zur Selensynthese in Fellbach hat Biosyn 1,5 Millionen Euro investiert. Die Jahreskapazität beträgt 350 Kilogramm.

Für die neue Anlage zur Selensynthese in Fellbach hat Biosyn 1,5 Millionen Euro investiert. Die Jahreskapazität beträgt 350 Kilogramm.

© Foto: Biosyn

FELLBACH. Vergangene Woche hat die mittelständische Firma eine Anlage zur Selensynthese in Betrieb genommen. Mit knapp sieben Millionen Euro entfällt auf Selen (Selenase®) die Hälfte des Umsatzes. Jetzt kann Biosyn sein Hauptprodukt selbst herstellen und ist damit - wie Geschäftsführer Dr. Thomas Stiefel versichert - weltweit das erste Unternehmen, das Metallsalze GMP-konform produziert.

Bislang wurde Selen von einem externen Wirkstoffanbieter bezogen. Doch seit einigen Jahren wird auch bei der Wirkstoffherstellung der pharmazeutische GMP-Standard gefordert. Daher entschied man sich für einen eigenen Betrieb. Weil Selen in Mikrogramm-Dosierungen verabreicht wird, passt die Anlage auf die Fläche eines Wohnzimmers. 1,5 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, Jahreskapazität: 350 Kilogramm.

Selen werde heute häufig in der Intensivmedizin, bei Krebs- oder Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Diese Patienten hätten fast immer zu niedrige Selenspiegel. Erste klinische Hinweise zeigten, dass Selen die Überlebenschancen bei Sepsis-Patienten erhöht, sagte Professor Konrad Reinhart von der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei der Einweihung der Selen-Produktion.

Reinhart, der auch Sprecher des Kompetenznetzes Sepsis ist, erklärte, dass derzeit die Rekrutierung für eine große klinische Studie zur Selen-Supplementierung bei Intensiv-Patienten laufe. Rund 1000 Patienten sollen daran teilnehmen sowie bundesweit 50 Intensivstationen. Mit den ersten Ergebnissen sei frühestens in 18 Monaten zu rechnen. Bei Biosyn erhofft man sich von dieser Studie den endgültigen Beleg des Nutzens einer Selen-Supplementierung in der Intensivmedizin.

Biosyn setzte 2008 mit 80 Mitarbeitern und einem Sortiment von 33 Präparaten 14 Millionen Euro um (plus 12 Prozent). Der Gewinn vor Steuern stieg um fast 50 Prozent auf 1,1 Millionen Euro. 2009 soll der Umsatz um etwa zwei Prozent zulegen und ein Gewinn vor Steuern auf Vorjahresniveau erreicht werden.

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