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Kommentar zum Digital-Manifest

Branche auf Werbetour

Die Digital-Branche macht manifesten Druck – und droht mit dem Totschlag-Argument, international abgehängt zu werden.

Wolfgang van den BerghVon Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht:

Digitale Innovation macht gesund!“ – starke Worte. Schnellere und bessere Diagnosen, besser gezielte Therapien, ein längeres Leben, weniger Volkskrankheiten und das Ganze gut und günstig. So knapp kann man die Werbebotschaft der Digital-Wirtschaft auf einen Nenner bringen.

Sie bezeichnet es als „Manifest“, das sich primär an die Gutwilligen richtet, mit dem Ziel „begeisterte Nutzerinnen und Nutzer“ für ihre Lösungen zu gewinnen. Sie will den Kontakt zu Akteuren im Gesundheitswesen. Wohl nicht ganz zu allen. Denn die sich „paternalistisch Verschließenden“ werden als Relikt bezeichnet.

Und was ist mit denen, die die kritische Auseinandersetzung um die jüngsten Vorfälle um Datenschutz und -sicherheit suchen? Mit keinem Wort gehen die knapp 50 Unterzeichner des „Manifests“, die von Ada Health bis Vivy reichen, auf das Thema Vertrauen und Verantwortung ein. Ein zentraler Punkt, der im Fokus auch der Diskussion zwischen Ärzten und dem Minister in der vergangenen Woche gestanden hat.

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Genauso, wie der Datenschutz kein Totschlag-Argument gegen Innovation sein darf, ist das Bangemachen vor den Giga-Konzernen aus dem Ausland unredlich. Fakt ist: Gegen die Negativ-Meldungen der vergangenen Wochen greifen markige Werbebotschaften zu kurz.

Schreiben Sie dem Autor: vdb@springer.com

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 21.10.201918:43 Uhr

Wenn es schon mit der Diktatur des Proletariats nicht geklappt hat...

dann wenigstens mit der Diktatur der Gesundheits-Apps von Ada Health bis Vivy.

Und ein medizinisch weitgehend unbedarft-ahnungsloser Minister,dessen schlicht gestricktes Vorstellungsvermögen von Telemedizin bedeutet: „Wenn der Arzt, der morgens um sechs in Lübeck sagt, ich habe gerade Zeit, bevor ich die Kinder zur Schule bringe, ein, zwei Stunden ärztliches Angebot zu machen, und jemand in München gerade morgens um sechs den Bedarf hat zum ärztlichen Gespräch“, hat noch nicht eimal begriffen, dass sich Humanmedizin weit überwiegend mit Krankheitsentitäten und nicht mit Gesundheits-Apps beschäftigen muss.

Mit keiner einzigen, belastbaren, randomisierten prospektiven und vergleichenden (doppelblind geht dabei nicht) Studie ist jemals bewiesen worden: "Digitale Innovation macht gesund!“

Das ist die Erfindung und propagandistische Behauptung einer Branche, die jetzt uns Allen die Daumenschrauben anlegen will, wenn wir Ihre Apps gar nicht haben und schon gar nicht kaufen wollen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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