1000 Euro Förderung

Brandenburg rüstet im Kampf um junge Ärzte auf

5,7 Millionen Euro stellt das Land Brandenburg für ein Förderprogramm bereit, um junge Ärzte aufs Land zu holen. 1000 Euro im Monat sollen Medizinstudenten erhalten, die sich später zur Arbeit auf dem Land verpflichten.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Medizinstudenten – hier im Institut für Anatomie der Universität Leipzig – werden umworben.

Medizinstudenten – hier im Institut für Anatomie der Universität Leipzig – werden umworben.

© Waltraud Grubitzsch / dpa

POTSDAM. Vom nächsten Jahr an winken Medizinstudenten, die sich verpflichten nach ihrer Facharztweiterbildung für mindestens fünf Jahre in einer der unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen Brandenburgs zu bleiben, 1000 Euro pro Monat .

Das sieht ein Förderprogramm vor, das die Regierungsfraktionen SPD und Linke im Rahmen der Haushaltsberatungen vorgeschlagen haben. Auch junge Ärzte, die in Brandenburger Krankenhäusern bleiben, will das Land mit 500 Euro pro Monat bezuschussen.

Nach Angaben der SPD-Fraktion soll das Programm 2019 mit 50 Stipendien starten, ist aber auf eine Ausweitung angelegt.

Eine Gesamtsumme von 5,7 Millionen Euro ist im Doppelhaushalt des Landes für 2019/2020 den Anträgen der Regierungsfraktionen zufolge für die Förderung eingepreist. Davon sollen rund 2,4 Millionen Euro im nächsten Jahr und 3,3 Millionen Euro im Jahr 2020 fließen.

Das ist mehr als Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Ende September bei einem Gespräch mit Landesgesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke), der KV Brandenburg (KVBB) und der AOK Nordost in Aussicht gestellt hat.

„Junge, engagierte Mediziner“

„Brandenburg braucht junge Ärztinnen und Ärzte. Deshalb wollen wir mit unseren Partnern von der KVBB und der AOK ein Landärzteprogramm starten und insbesondere junge, engagierte Medizinerinnen und Mediziner für Brandenburg gewinnen.

Es geht um Anreize, die ihnen die Entscheidung für eine Praxis auf dem Land erleichtern sollen“, sagte Woidke.

Auch Karawanskij betonte, wie wichtig ein solches Programm ist. Für die wohnortnahe Versorgung mit Haus- und Fachärzten müssten dringen mehr Ärzte gewonnen werden.

„Daher dürfen wir nichts unversucht lassen, was dazu beiträgt, junge Mediziner für eine Tätigkeit in Brandenburg zu interessieren. Das gilt auch für die ärztlichen Fachkräfte in den Krankenhäusern“, so Karawanskij.

Marketingprogramm inklusive

Das dreigliedrige Förderprogramm soll nach aktuellem Stand neben den Brandenburg-Stipendien für Medizinstudierende, ein Weiterbildungs- und ein Marketingprogramm umfassen.

Mit dem Marketingprogramm soll den Angaben der SPD-Fraktion zufolge eine gezielte, professionelle Anwerbung von Studenten für die Famulatur oder ein praktisches Jahr in Brandenburger Kliniken oder Arztpraxen gefördert werden. Das Weiterbildungsprogramm soll die Facharztweiterbildung für eine Tätigkeit in Brandenburg fördern.

Die AOK Nordost sieht auf diesem Feld vor allem bei angehenden Kinderärzten Chancen und Bedarf. „Deshalb ist es für uns konsequent, mit der Landesregierung und der KV weitere Schritte zu gehen und etwa in die Weiterbildung von Kinderärzten zu investieren“, sagte Kassen-Vorstand Frank Michalak.

KV-Chef Dr. Peter Noack zeigte sich „froh, dass das Land uns nun in einem Teil der Nachwuchsförderung finanziell unterstützen will, um dem zunehmenden Ärztemangel in vor allem ländlichen Regionen zu begegnen“.

 Die KV hat bereits seit langem verschiedene Förderprogramme zur Nachwuchsgewinnung aufgelegt und die Krankenkassen für eine Beteiligung an den Kosten gewonnen. Mittel stellt sie unter anderem für Famulaturen und Praktische Jahre sowie für die Facharztweiterbildung in Brandenburger Praxen, aber auch zur Niederlassungsförderung zu Verfügung.

Zudem pflegt sie regionale Weiterbildungsnetzwerke mit den Krankenhäusern, um junge Ärzte in der Weiterbildung praktisch zu unterstützen. Die KV hat wiederholt kritisiert, dass die Landesregierung sich an diesen Förderungen – im Gegensatz etwa zur Landesregierung in Sachsen – bislang nicht beteiligt hat.

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