Pendleratlas

Chefs und Kollegen nerven mehr als Pendeln

Die meisten Arbeitnehmer sind mit ihrer jetzigen Berufssituation zufrieden. Stress gibt es trotzdem, vor allem wegen Vorgesetzten, Kollegen – und Lärm.

Veröffentlicht:
Jeder Fünfte findet lange Arbeitswege stressig – mehr als jeder Dritte aber stresst Ärger mit dem Chef.

Jeder Fünfte findet lange Arbeitswege stressig – mehr als jeder Dritte aber stresst Ärger mit dem Chef.

© Romolo Tavani / stock.adobe.com

AUGSBURG. Laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit pendeln 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zur Arbeit in einen anderen Landkreis – das sind insgesamt 12,5 Millionen Menschen. In einer nach Unternehmensangaben bevölkerungsrepräsentativen Befragung ist das Personalberatungsunternehmen Orizon nun der Frage nachgegangen, wie sich diese zeitraubende Völkerwanderung auf die Arbeitszufriedenheit oder den persönlichen Stress-Level auswirkt.

Ergebnis: Zwar ist der Faktor Work-Life-Balance aus Sicht der Befragten gegenüber den Vorjahren in der Bewertung eines attraktiven Arbeitgebers gestiegen – allerdings auf nach wie vor niedrigem Niveau (2018: 8,1 Prozent).

Nähe zum Wohnort nicht so wichtig

Die Wohnortnähe des Arbeitsplatzes rangiert mit rund 47 Prozent auf dem fünften Rang, ist jedoch deutlich rückläufig. Die Bezahlung (70,7 Prozent) oder das Betriebsklima (67,1 Prozent) werden als wesentlich wichtiger bewertet.

Auf die Frage, welche Faktoren bei ihnen zu psychischem oder körperlichem Stress bei der Arbeit führen, nennt – Mehrfachnennungen waren möglich – mit 21,1 Prozent nur ein knappes Fünftel der befragten Arbeitnehmer lange Fahrzeiten.

Hier verursachen eine zu hohe Aufgabenlast (58,1 Prozent) oder Ärger mit Vorgesetzten (36,3 Prozent) und Kollegen (34,4 Prozent), aber auch Lärm (29 Prozent) deutlich größeres Unbehagen.

Die geforderte Erreichbarkeit auch außerhalb der Kernarbeitszeiten nervt immerhin 21,5 Prozent der Arbeitnehmer. Wenig ergonomische Arbeitsplätze und Arbeitsmittel bemängeln 16,5 Prozent. Viele Gefahrenquellen am Arbeitsplatz sind 13,3 Prozent der Arbeitnehmer ein Dorn im Auge.

Mitarbeiter fühlen sich wohl

Insgesamt steigt das Wohlbefinden am Arbeitsplatz laut Befragung aber weiter: 83,2 Prozent der Arbeitnehmer sagen, dass sie sich an ihrer jetzigen Arbeitsstelle wohlfühlen. Auch die empfundene körperliche und psychische Belastung am Arbeitsplatz gehe weiter zurück.

Das lässt nach Unternehmensdeutung den Schluss zu, dass viele Menschen einen teilweise langen Arbeitsweg auf sich nehmen, weil sie andere Aspekte bewusst höher schätzen. Dazu könnten Faktoren aus dem privaten Leben wie die Wünsche der Familie oder die Kosten für Immobilien zählen.

Orizon-Chef Dr. Dieter Traub gewinnt den Befragungsdaten etwas durchaus Positives ab – was auch für viele Arbeitgeber in puncto Mitarbeiterbindung in Zeiten des Fachkräftemangels bedenkenswert sein dürfte.

"Die Menschen sind offenbar flexibler als wir oft denken. Um ihren Wunscharbeitsplatz und persönliche Belange in Einklang zu bringen, gehen sie Kompromisse ein", konstatiert Traub – und vergisst dabei natürlich den Hinweis auf Zeitarbeiter nicht. (maw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München

Weniger Bürokratie

Wie nützt Digitalisierung?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie ticken Menschen mit Autismus, Professorin Freitag?

Lesetipps
Ein Impfbuch.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hat die Website von ChatGPT geöffnet.

© Frank Rumpenhorst/dpa

KI verweigert Assistenz beim Suizid

Fallbeispiel: ChatGPT empfahl ärztliche Hilfe bei Psychose

Männer spielen Beachvolleyball

© LuneVA/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?