Tourismus

Corona bestimmt die Preise der Winter-Feriendomizile

Wie energisch Staaten gegen eine Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie vorgehen, beeinflusst die Preisentwicklung von Ferienimmobilien. Das zeigen neue Studien über Frankreich und die Schweiz.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Winteridyll mit Corona? Die Preisentwicklung könnte ein Indiz dafür sein, wo sich Immobilienbesitzer sicherer fühlen.

Winteridyll mit Corona? Die Preisentwicklung könnte ein Indiz dafür sein, wo sich Immobilienbesitzer sicherer fühlen.

© ChristArt / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Aufnahmen des Schweizer Fernsehens erschüttern Anfang Dezember das Ansehen der eidgenössischen Republik in Europa. Die Bilder zeigen Menschen Schulter an Schulter beim Anstehen vor Gondelbahnen in den Skigebieten von Saas-Fee, Verbier und Zermatt – trotz der zu diesem Zeitpunkt rapide steigenden Zahl von COVID-19-Infektionen im Land.

Anders als andere Alpenstaaten hat die Schweiz im November ihre Skigebiete geöffnet. Der Schritt steht beispielhaft für den seit dem Lockdown im Frühjahr eher Laissez-faire gehandhabten Umgang mit der Pandemie. Maßnahmen werden allenfalls auf kantonaler Ebene erlassen. Als Folge verzeichnet das 8,6 Millionen Einwohner zählende Land von Oktober an zum Teil mehr als 10.000 Neuinfizierte pro Tag.

Fallende Preise für Feriendomizile

Erst Mitte Dezember werden schärfere Auflagen beschlossen, nachdem die Gesellschaft für Intensivmedizin warnt, die Intensivbetten seien praktisch „vollständig belegt“. Kneipen und Restaurants sind zu diesem Zeitpunkt in vielen Kantonen noch geöffnet.

Hinter dem eher lockeren Umgang mit der Pandemie steht der Wunsch, die Wirtschaft und den Alpentourismus nicht durch zu harte Auflagen einzuschränken. Doch zwei neue Studien zeigen, dass diese Strategie dem Ferienimmobilienmarkt in der Schweiz nicht gut bekommt. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind die Preise von Urlaubsdomizilen nicht mehr gestiegen, sondern gefallen.

Nach der jüngsten Untersuchung des Zürcher Immobiliendaten-Auswerters PriceHubble haben sich Zweitwohnsitze im dritten Quartal dieses Jahres schweizweit im Schnitt um ein Prozent verbilligt, frei stehende Ferienhäuser haben dabei sogar 3,5 Prozent an Wert verloren. „Die Pandemie könnte die Schweizer dazu veranlasst haben, Skigebiete als Standorte für Zweitwohnsitze zu überdenken“, sagt Julien Schillewaert, Vorstandschef von PriceHubble.

„COVID-19 hat Immobilienmärkte durcheinandergebracht“

Bestätigt wird die Analyse durch eine Studie der britischen Maklergesellschaft Knight Frank. Deren Analysten haben die Preisentwicklung bei frei stehenden Ferienhäusern in den Wintersport-Nobeldestinationen der Schweiz und in Frankreich untersucht. Danach haben sich Chalets in den vergangenen zwölf Monaten in den eidgenössischen Top-Wintersportorten St. Moritz um 1,9 Prozent und in Crans-Montana um zwei Prozent verbilligt.

Hingegen hatten 2018 und 2019 Schweizer Zweitdomizile in den Nobelorten noch Wertzuwächse von bis zu sechs Prozent pro Jahr erfahren. „COVID-19 hat weltweit die Immobilienmärkte erheblich durcheinandergebracht“, so Knight-Frank-Chefresearcherin Kate Everett-Allen. „Die Winterurlaubs-Destinationen bilden dabei keine Ausnahme.“

Ganz anders ist die Entwicklung in den französischen Wintersportorten verlaufen. Zweitdomizile in Chamonix verteuerten sich der Knight-Frank-Studie zufolge um 2,1 Prozent, in Courchevel um bis zu 2,8 Prozent, im Val-d‘Isère um 3,2 Prozent und in St-Martin-de-Belleville sogar um 3,4 Prozent.

Urlauber suchen Schutz

„Die Zahlen zeigen, dass die Ferienimmobilienmärkte sehr sensibel auf den Umfang staatlicher Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie reagieren“, sagt Thomas Beyerle, Chefresearcher der internationalen Immobilienberatungsgesellschaft Catella. „Käufer zieht es eher dorthin, wo energisch gegen das Virus vorgegangen wird.“

Das liege zum einen daran, dass sich Selbstnutzer dort sicherer vor einer Ansteckung fühlten, sagt Beyerle. „Zum anderen gehen Kapitalanleger, die die Urlaubsdomizile an andere Touristen vermieten wollen, davon aus, dass Menschen ihre Ferien lieber dort verbringen, wo sie besser geschützt werden.“

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