Praxisführung

Darmkrebs-Vorsorge braucht aktive Werbung

Die Vorsorge-Möglichkeiten zu Darmkrebs sind exzellent, doch die Nachfrage der Patienten ist immer noch eher enttäuschend. Deshalb wird das Gastronetz Hessen selbst öffentlich aktiv.

Von Monika Peichl Veröffentlicht:

Jährlich 80 bis 100 Erstdiagnosen von Kolonkarzinomen in der Praxis - und fast alle davon vermeidbar: "Das beschäftigt und bedrückt uns", sagt Dr. Alex Rambow, niedergelassener Darmspezialist in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Qualitätsnetzes Gastroenterologie Hessen e.V. Das Gastronetz mit derzeit 66 Mitgliedern in ganz Hessen leistet seinen eigenen Beitrag zum Darmkrebsmonat März. 230 000 grüne Flyer mit dem Titel "Vorsorge statt Darmkrebs!" wurden zusammen mit Wartezimmerplakaten an Hausärzte, Urologen und Gynäkologen verschickt. Im Flyer wird erklärt, wie häufig Kolonkarzinome sind, wie die Darmspiegelung abläuft und wer Anspruch darauf hat.

Es gibt noch zu viele Vorsorgemuffel

Seit 2004, heißt es in dem Faltblatt, ergaben sich bei 174 000 Koloskopien in Hessen 75,01 Prozent unauffällige Befunde, 24,3 Prozent Polypen und 0,69 Prozent Krebsdiagnosen.

Die persönliche Ansprache durch die Hausärzte sei wahrscheinlich der beste Weg, die Patienten zur Darmspiegelung zu motivieren, sagt Rambow. "Wir wissen aber nicht, warum trotz Motivation durch den Hausarzt viele Menschen nicht zur Vorsorge gehen." Ebenso wichtig sei die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit mit Prominenten und mit Aktionen wie etwa das begehbare Darmkrebsmodell der Felix Burda Stiftung, das dieses Jahr auch in Frankfurt am Main gezeigt wurde.

Doch trotz der hohen Publizität, die das Thema seit Jahren in der Bundesrepublik habe, seien die Zahlen bisher enttäuschend, der Zugewinn sei geringer als erhofft. "Dabei ist das Kolonkarzinom die einzige Krebserkrankung, bei der man schon gutartige Vorstadien erkennen kann." Hervorragend findet Rambow die Dokumentation des Früherkennungsprogramms, die beim Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung angesiedelt ist. "Es gibt weltweit keine besseren Daten."

Könnte ein Vorsorgepass, ähnlich dem Impfpass, die Teilnahme der Krankenversicherten an der Koloskopie verbessern? Die Mitglieder des Gastronetzes Hessen haben darüber auch schon diskutiert und sich überlegt, selbst einen solchen Pass zu entwickeln, der dem Info-Paket für die Hausärzte, Urologen und Gynäkologen beigelegt werden könnte. Vorerst haben sie entschieden, es bei Flyern und Plakaten zu belassen.

Das Qualitätsnetz Gastroenterologie Hessen e. V. wurde 1999 gegründet, Mitglied werden können Ärzte, die zur Koloskopie ermächtigt sind. 2005 ging daraus zudem eine Ärztegenossenschaft hervor, die 90 Mitglieder zählt und sich als Vertragspartner für Integrierte Versorgung positioniert hat. Hauptzweck des Gastronetzes ist die Qualitätssicherung. Die fünf regionalen Qualitätszirkel finden mindestens viermal pro Jahr statt. Der seit elf Jahren bestehende Qualitätszirkel Rhein-Main, den Rambow moderiert, trifft sich sogar sechs- bis achtmal jährlich.

Das Netz arbeitet ohne Sponsoren

Sponsoren aus der Industrie müssen draußen bleiben, und die Referenten aus den Universitäten erhalten nur eine Aufwandsentschädigung. "Die Meinungsbildner kommen gern", berichtet Rambow. Zu ihnen gehört Professor Herbert Koop vom Klinikum Berlin-Buch, der das Qualitätsnetz Hessen als wissenschaftlicher Beirat begleitet.

Auf der Tagesordnung stehen zum Beispiel neue Entwicklungen bei der Hepatitis-B-Therapie oder die neuen Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Weil die Sitzungen vertraulich sind, können heikle Themen offen angesprochen werden, etwa wenn Probleme mit Krankenhäusern auftreten sollten, in denen die Patienten der Gastronetz-Mitglieder operiert werden.

Lesen Sie dazu auch: Darmkrebszentren - Betreuung aus einer Hand

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