Zukunftsbranche Gesundheit

Das gut platzierte Lob der Bundeskanzlerin

Viel Gutes hat die Gesundheitswirtschaft auf der Medica von der Bundeskanzlerin zu hören bekommen. Doch die gerade erst verabschiedeten Gesetze sprechen eine andere Sprache.

Von Uwe K. Preusker Veröffentlicht:
Angela Merkel und Philipp Rösler ließen sich beim Medica-Standrundgang Innovationen wie das duschfähige Langzeit-EKG von getemed zeigen. Mit im Bild getemed-Vorstandsvorsitzender Michael Scherf (l.) und Vorstand Robert Downes (r.).

Angela Merkel und Philipp Rösler ließen sich beim Medica-Standrundgang Innovationen wie das duschfähige Langzeit-EKG von getemed zeigen. Mit im Bild getemed-Vorstandsvorsitzender Michael Scherf (l.) und Vorstand Robert Downes (r.).

© sth

Zeitlich besser geplant konnte ein Auftritt der Bundeskanzlerin auf dem Marktplatz der Medizin kaum sein: Unmittelbar nach der Verabschiedung der beiden aktuellen Gesundheitsreformgesetze betonte Angela Merkel, wie wichtig Gesundheitswesen und Gesundheitswirtschaft für ihre Politik sind.

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Beitragserhöhungen und Kostendämpfungsmaßnahmen treten größtenteils zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft - da bot es sich an, in der Öffentlichkeit Partei für Gesundheit und Gesundheitswirtschaft zu ergreifen. Damit nicht genug, trat auch noch Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler als Hauptredner auf dem die Medica flankierenden 33. Deutschen Krankenhaustag auf.

Eine Anzeigenkampagne flankierte den Besuch

Die Kanzlerin betonte in ihrer Rede die überragende Bedeutung der deutschen Gesundheitswirtschaft: "Dass wir aber auch einen so führenden Platz in der Gesundheitswirtschaft haben, ist noch nicht überall bekannt. Vor dem Hintergrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und der demografischen Entwicklung ist es wichtig, dass diese Branche in den Mittelpunkt gestellt wird."

Flankiert wurde ihr Medica-Auftritt mit einer 2,8 Millionen Euro teuren deutschlandweiten Anzeigenkampagne, in der die Kanzlerin vier politische Versprechen abgab. Und das vierte Versprechen betrifft unmittelbar die Gesundheitspolitik.

Dort steht: "Wir gestalten die Finanzierung des Gesundheitswesens so, dass die hervorragende medizinische Versorgung in Deutschland langfristig bezahlbar bleibt: für alle Versicherten, für jedes Alter, für jeden Geldbeutel. Mit einem fairen Sozialausgleich. So verhindern wir, dass viele Arztpraxen und Krankenhäuser schließen müssen."

Ähnlich argumentierte die Kanzlerin auch in ihrer Rede auf der Medica: Man habe mit dieser Reform die Solidarität in der Krankenversicherung gestärkt und nicht geschwächt. Und Rösler betonte in seiner Ansprache vor dem 33. Deutschen Krankenhaustag, das GKV-Finanzierungsgesetz trage wesentlich dazu bei, das Gesundheitssystem im Allgemeinen und die Krankenhausversorgung im Besonderen auch in Zukunft finanzierbar zu erhalten.

Mit diesem Gesetz würden nicht nur die kurzfristigen Finanzprobleme im Gesundheitssystem angegangen, sondern auch die Grundlagen für ein neues Finanzierungssystem gelegt.

So manches sagten die beiden Politiker nicht

Kanzlerin und Gesundheitsminister haben im Prinzip Recht mit dem, was sie in Düsseldorf sagten: Die Finanzierung der GKV muss dauerhaft gesichert werden. Und: Die Gesundheitswirtschaft war ein Stabilitätsanker in der gerade einigermaßen überwundenen Wirtschaftskrise - wieder einmal!

Was die beiden Politiker nicht sagten: Mit den Kostendämpfungsmaßnahmen, die ab Anfang 2011 greifen werden, könnte der Jobmotor Gesundheitswirtschaft ins Stottern kommen - der Stabilitätsanker droht, den Halt zu verlieren.

Daran ändert auch ein gut geplanter und zeitlich platzierter Auftritt von Merkel und Rösler auf der Medica nichts!

Zur Person: Der Publizist Dr. Uwe K. Preusker ist seit über drei Jahrzehnten im Gesundheitswesen aktiv. Er gilt als einer der versiertesten Kenner der Gesundheitsbranche.

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