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ANLAGEN-KOLUMNE

Deutschland geht es sehr viel besser als den USA

Börsenprognosen sind schon deshalb schwierig, weil verlässliche Zahlen oft gar nicht verfügbar sind. So haben sich weder die Statistik-Ämter noch die Fachpresse auf ein einheitliches Verfahren zur Messung der Wirtschaftsleistung geeinigt. Wendet man auf Deutschland dieselbe Methode an wie auf die USA, zeigt sich, dass die deutsche Wirtschaft wesentlich besser dasteht als die US-Ökonomie.

Von Dr. Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Dies belegen die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres. In der Fachpresse wurde für die US-Wirtschaft ein Wachstum von 0,6 Prozent, für die deutsche Wirtschaft eine Steigerung von 1,5 Prozent berichtet. Meist unerwähnt bleibt dabei, dass es sich bei der US-Zahl um einen auf das Jahr hochgerechneten Quartalswert von 0,15 Prozent (0,15 Prozent mal 4 = 0,6 Prozent) handelt.

Legt man auch in Deutschland nach derselben Methodik die Jahresrate von sechs Prozent (1,5 Prozent mal 4) zugrunde, so beträgt das Wachstum der US-Wirtschaftsleistung auf vergleichbarer Basis gerade einmal ein Zehntel des deutschen Wachstums. Hier fällt wieder einmal auf, wie negativ die Deutschen ihre eigene Wirtschaftssituation im Allgemeinen sehen und wie sehr die US-Zahlen zu gut dargestellt werden.

Nicht nur regional gibt es große Unterschiede bei der Ermittlung von Wirtschaftszahlen. Zudem unterliegen die Verfahren einem teils gravierenden Wandel im zeitlichen Verlauf: Dies verdeutlicht die US-Inflationsstatistik. Die offiziell publizierte Preissteigerungsrate liegt heute bei vier Prozent. In den letzten 25 Jahren wurde die US-Statistik zweimal angepasst. Würde man heute noch nach der Methode rechnen, die bis 1983 angewandt wurde, würde man auf eine US-Inflationsrate von 11,6 Prozent und nach der Methode, die bis 1998 angewendet wurde, auf eine Inflationsrate von 7,3 Prozent kommen. Legt man die US-Teuerungsraten nach den beiden historischen Methoden bei der Berechnung der realen Wirtschaftsentwicklung zugrunde, so befinden sich die USA bereits in der schwersten Rezession der Nachkriegszeit.

Die sehr schlechte Entwicklung der US-Volkswirtschaft einerseits und das blendende Wirtschaftswachstum in Deutschland machen die bisher gelungene Abkoppelung deutlich. Dabei muss man jedoch beachten, dass die deutsche Wirtschaft extrem abhängig von der (noch) boomenden Weltkonjunktur ist. Für die Zukunft wird es darauf ankommen, die Binnenwirtschaft zu beleben: Ohne steuerliche Entlastung der Konsumenten dürfte Deutschland auf schwierige Zeiten zusteuern. Dies würde dann auch hierzulande ein endgültiges Ende des Börsenaufschwungs seit 2003 bedeuten.

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