Anlagen-Kolumne

Die Aktienmärkte trotzen den wirtschaftlichen Realitäten

Investoren sind nach wie vor im Anlagerausch. Sollten private Anleger mit dem Trend gehen? Für die Entscheidung lohnt ein kritischer Blick auf das globale Umfeld.

Von Jens Erhardt Veröffentlicht: 29.03.2010, 05:00 Uhr

Trotz der hohen Risiken im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur bewegen sich die Aktienmärkte unverändert im Aufwärtstrend. Was heißt das für Anleger? Eine alte Börsenweisheit sagt: "Folge dem Trend." Anleger könnten aus diesem Ratschlag ableiten, es sei richtig, im Aktiensegment investiert zu bleiben - zumindest, wenn sie sich apodiktisch an die Weisheit klammern. Bei Lichte betrachtet muss man allerdings feststellen, dass für eine solche Entscheidung nach wie vor die ganz grundsätzlich überzeugenden Perspektiven noch nicht in Sicht sind.

Die Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel machen Anlegern bei etlichen Indikatoren deutlich, dass ein als echt zu klassifizierender Wirtschaftsaufschwung bislang noch nicht so recht in Gang kommen will.

Lässt man den Blick über den eigenen Kontinent schweifen, so verdeutlicht das aktuelle Beispiel Griechenland als sichtbare Spitze des Eisbergs, dass auch Europa und vor allem einzelne Mitgliedsstaaten unter massiven Verschuldungsproblemen leiden. Konjunkturell positive Ansätze sind am ehesten noch für manche Teile Asiens zu reklamieren.

Zusammenfassend muss man somit aus Anlegersicht zu dem Schluss kommen, dass ein echter Ausweg bei den wichtigen Problemen eigentlich nirgends in Sicht ist. Wollte man das heutige Verschuldungsniveau in den Industrieländern auch nur auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren, so würde dieses Ansinnen die Wirtschaftsdynamik in den kommenden Jahren in nicht unerheblichem Ausmaß stören.

Auf der anderen Seite erkaufen sich die Staaten durch weitere Verschuldungsprogramme und geldpolitische Maßnahmen schlicht nur Zeit, bevor die Probleme dann doch irgendwann spürbar durchschlagen werden.

Die Zeiten werden also in jedem Fall eher unangenehm werden - ganz gleich, ob man einen Weg der Gesundung oder einen Weg des Gelddruckens und staatlicher finanzieller Hilfsprogramme einschlägt. Zumindest sprechen die reichlich vorhandene Liquidität und der derzeitige Mangel an sinnvollen Anlagealternativen gegen einen kurzfristigen, heftigen Einbruch an den Aktienmärkten.

Eine grundsätzlich falsche Entscheidung wäre es für Anleger in der heutigen, extrem verschuldungsbehafteten Situation, überproportional auf Anleihen (Schuldpapiere) als Anlageform zu setzen. Aussichtsreicher bleiben hingegen werthaltige Aktien und Edelmetalle. Auch in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld dürften diese Anlagekategorien noch die besten Aussichten bieten.

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