Klinik-Management

Die Bilderflut der Radiologen

Die Radiologie sieht sich zunehmend mit einer Bilderflut konfrontiert. Mit dem webbasierten Recherchetool Radminer haben Radiologen nun einen schnellen Zugriff auf den gesamten Text- und Bildbestand ihrer Klinik.

Von Eugenie Wulfert Veröffentlicht: 25.01.2012, 19:08 Uhr
Professor Elmar Kotter, leitender Oberarzt der Radiologischen Uniklinik Freiburg, testet Radminer.

Professor Elmar Kotter, leitender Oberarzt der Radiologischen Uniklinik Freiburg, testet Radminer.

© Averbis

BERLIN. Der Blick in das Innere desmenschlichen Körpers ist aus der modernen Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Tumoren, innere Verletzungen nach Unfällen, Entzündungen und Gefäßerkrankungen: Mit radiologischen Untersuchungen können sie schnell erkannt werden.

Die Bilder, die beim MRT, CT oder Röntgen entstehen, reichen aber nicht immer für eine Diagnose.

Seit Anfang des Jahres können sich Radiologen bei der Befundung von "Radminer" unterstützen lassen.

"Mit diesem webbasierten Recherchetool hat der Radiologe einen schnellen Zugriff auf den gesamten Text- und Bildbestand der Klinik", erklärt Philipp Daumke von der Averbis GmbH, dem Entwickler der Anwendung.

Bild und Text verknüpft

Will der Arzt beispielsweise bei der Befundung seine Verdachtsdiagnose absichern, kann er auf einem zweiten Bildschirm bei Radminer nach dieser suchen und erhält innerhalb kürzester Zeit relevante Vergleichsfälle mit Befunden und den dazugehörigen Bildern.

"Das ist neu und führt zu einer enormen Zeit- und damit auch Kostenersparnis", sagt Daumke.

Entwickelt wurde Radminer im Rahmen des Forschungsprojektes Radmining, das als Teil des 100 Mil lionen Euro schweren THESEUS-Forschungsprogramms vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit rund drei Viertel Millionen Euro gefördert wurde.

Radminer erkennt laut Daumke wichtige Schlüsselbegriffe wie Befundmerkmale, Verdachtsdiagnose, anatomische Begriffe und Größenangaben.

Über Bildverweise in Befundtexten werden relevante Bilder aus den radiologischen Schnittbilddaten extrahiert und mit den entsprechenden Textpassagen verknüpft.

Bisher wurden Texte und Bilder getrennt voneinander in RIS- und PACS-Systemen der Kliniken gespeichert und waren nur über eine Kennziffer mit einander verknüpft.

Nutzen auch für Studien

"Wollte ein Radiologe ein bestimmtes Bild oder Vergleichsfälle haben, musste er in einem mehrstufigen Suchprozess nach diesen suchen. Das war äußerst zeitaufwendig", erinnert sich Professor Elmar Kotter, leitender Oberarzt der Radiologischen Universitätsklinik Freiburg.

Seine Klinik und die Leipziger Uniklinik sind Partner des Projektes und testen Radminer bereits seit einigen Monaten. "In unserer Klinik ist Radminer an jedem Arbeitsplatz installiert und wird von den Kollegen intensiv genutzt", so Kotter.

Mit Radminer ist es laut Kotter nicht nur möglich, Verdachtsdiagnosen abzusichern, sondern auch innerhalb kürzester Zeit passende Patientenkohorten für klinische Studien zusammenzustellen oder Fallbeispiele anonym für die Lehre zu selektieren.

Noch können nur Kliniken von der neuen Anwendung profitieren. Allerdings gibt es laut Daumke durchaus Überlegungen, Bilder und Befunde, die in Kliniken erzeugt werden, zu anonymisieren und so auch niedergelassenen Ärzten zur Verfügung zu stellen, um auch sie bei der Befundung zu unterstützen.

Mehr zum Thema

COVID-19-Versorgung

Intensivstationen: Das Personal ist der Flaschenhals

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die EU geht davon aus, dass im Frühjahr zumindest Impfstoff für Risikogruppen und Gesundheitspersonal zur Verfügung stehen könnte.

EU verbreitet Optimismus

Ist der Corona-Impfstoff bald da?

Pflegekräfte versorgen einen Patienten auf der Intensivstation im Operativen Zentrum II des Universitätsklinikums Essen.

COVID-19-Versorgung

Intensivstationen: Das Personal ist der Flaschenhals

Blutgefäß mit Erythrozyten und Sauerstoff-Molekülen: Bei einem kardiogenen Schock kommt es zu einer Schädigung von Endothelzellen, die die innere Gefäßwand auskleiden. Das daraus resultierende „vascular leakage“, also die erhöhte Durchlässigkeit der Gefäße, führt dazu, dass das Gewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Ein neuer molekularer Antikörper soll jetzt die pathophysiologische Kaskade durchbrechen.

Sterberisiko senken

Neuer Therapie-Ansatz bei kardiogenem Schock