Branchenbefragung

Die Hälfte aller Medizinerinnen und Mediziner arbeitet im „Traumberuf“

Ein Großteil der Ärzte in Deutschland würde auch nach Eintritt in die Rente weiterarbeiten, hat die Berufe-Studie der HDI ergeben. Und: Schlechte Chefs sind für 50 Prozent ein Grund zur Kündigung.

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Zufrieden am Arbeitsplatz: 44 Prozent aller Mediziner bezeichnen ihren Job als Traumberuf.

Zufrieden am Arbeitsplatz: 44 Prozent aller Mediziner bezeichnen ihren Job als Traumberuf.

© Robert Kneschke / Stock.adobe.com

Hannover. Rund die Hälfte aller Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland (44 Prozent) arbeitet in ihrem Traumberuf. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Berufe-Studie des Versicherers HDI, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Zum Vergleich: Bei Beschäftigten im Sicherheits- und Reinigungsgewerbe ist das nur bei Prozent der Fall, sie bilden das Schlusslicht des Rankings. Auf Platz 1 liegen Lehrer und Ausbilder (69 Prozent). Die repräsentative Befragung wurde vom Marktforschungsinstitut YouGov unter 3864 Bundesbürgern durchgeführt.

65 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen gaben an, unter bestimmten Bedingungen auch nach Renteneintritt weiterarbeiten zu wollen, damit liegen sie knapp unter dem Branchendurchschnitt (67 Prozent). Zu den am häufigsten genannten Voraussetzungen gehören eine höhere Entlohnung (26 Prozent) und die 4-Tage-Woche (25 Prozent). Regional stehen die Beschäftigen der drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg bundesweit an der Spitze – mit jeweils teils deutlich über 70 Prozent – die bereit wären über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Der Freistaat Sachsen bildet dagegen mit 54 Prozent das Schlusslicht.

Drei von fünf klagen über Fachkräftemangel

Generell berichteten drei von fünf Erwerbstätige bereits über negative Folgen des Personal- und Fachkräftemangels in ihren Unternehmen. Dazu gehören steigende Arbeitsbelastung (31 Prozent), stockende Arbeitsabläufe und -prozesse sowie eine wachsende Bereitschaft zum Jobwechsel (je 14 Prozent). Und dennoch: Fast jeder zweite Arbeitnehmer (44 Prozent) fühlt sich im Unternehmen nicht gefördert und 50 Prozent können keine Aufstiegschancen erkennen. Beschäftigte, die sich von ihrem Arbeitgeber gefördert fühlen, gaben an, dass ihnen „der Beruf viel bedeutet“ (58 Prozent) und sie ihn „als sinnstiftend empfinden“ (57 Prozent). Den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft sehen 63 Prozent als hilfreich an.

Die Studie zeigt außerdem, dass das Wohlfühlen an seinem Arbeitsplatz immer auch mit der Chefin oder dem Chef zusammenhängt: Exakt jeder zweite Angestellte in Deutschland würde wegen schlechten Vorgesetzten kündigen, bei den unter 40-Jährigen sogar 56 Prozent (45 Prozent bei Älteren). Frauen sind dabei entschlossener als Männer (53 Prozent zu 48 Prozent) und in Westdeutschland sind mehr zur Kündigung bereit als im Osten (51 Prozent zu 47 Prozent). Interessant ist dabei: Die Gehaltshöhe hat auf die Kündigungsbereitschaft nahezu keine Auswirkung.

Bindung zum Beruf sinkt

Zum ersten Mal sagen weniger als die Hälfte aller Erwerbstätigen in Deutschland, dass ihnen „der Beruf viel bedeutet“ (47 Prozent). Das ist der niedrigste Wert seit Start der jährlichen HDI Berufe-Studie 2019. Allein gegenüber 2022 (58 Prozent) ist das ein Rückgang um rund ein Fünftel. Weniger als die Hälfte stimmen inzwischen auch der Aussage zu, dass „sie sich ein Leben ohne Beruf nicht vorstellen können.“

Interessant dabei: Die Berufsbindung der 30- bis 44-Jährigen (entspricht ungefähr der „Generation Y“) ist inzwischen die niedrigste aller Generationen. Nur rund jeder Dritte (37 Prozent) will hier beispielsweise noch der Aussage zustimmen, „dass einen Beruf auszuüben mir mehr bedeutet, als damit Geld zu verdienen“. Das ist der niedrigste Wert im Alters-Vergleich. Selbst in der Generation der 15- bis 29-Jährigen (annähernd die „Generation Z“) liegt die Zustimmung mit 41 Prozent noch signifikant höher. (kaha)

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