E-Health

Digitalisierung der Inneren Medizin nimmt Fahrt auf

Die Internisten suchen die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und Telemedizin. Auf dem 125. Internistenkongress in Wiesbaden wird die Digitalisierung der internistischen Fächer eine Hauptrolle spielen.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Telemedizin in der Kardiologie hat Evidenz geliefert. Die DGIM widmet ihren 125. Kongress der Digitalisierung.

Telemedizin in der Kardiologie hat Evidenz geliefert. Die DGIM widmet ihren 125. Kongress der Digitalisierung.

© Syda Productions / fotolia.com

BERLIN. Mit dem 125. Internistenkongress in Wiesbaden wollen die Internisten einen deutlichen Schritt auf neue Technologien zugehen.

„Kein Teilbereich der Medizin wird von der Digitalisierung verschont bleiben“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Professor Claus Vogelmeier, am Donnerstag in Berlin.

Der Kongress, so kündigte Vogelmeier an, werde die Vorbehalte vieler Ärzte aufgreifen. Es gelte immer wieder, kolportierte Mythen zu überwinden.

„Die Sorge, die man dem Arzt nehmen muss, ist, dass er überflüssig wird“, sagte Vogelmeier vor Journalisten.

Es sei zwar richtig, dass Künstliche Intelligenz wahrscheinlich schon heute in Computertomografien und Lungenfunktionsanalysen Muster besser erkennen könne als das Auge. Aus den Ergebnissen eine Diagnose abzuleiten, bleibe aber auch in Zukunft Aufgabe des Arztes.

Studium steht vor Veränderungen

DGIM-Kongress 2019

Wann? 4. - 7. Mai 2019

Wo? Wiesbaden, RheinMain CongressCenter -

Infos zum Kongress im Web: www.dgim2019.de

Vor disruptiven Veränderungen steht in diesem Zusammenhang auch die Ausbildung an den Universitäten. Heute bestehe das Medizinstudium aus einer langen Abfolge von Lernvorgängen, sagte Vogelmeier, um die Frage anzuschließen: „Braucht man das in Zukunft noch?“

Antworten darauf kann in absehbarer Zukunft möglicherweise eine Professur für digitale Medizin in Göttingen geben, die von der DGIM mit 850.000 Euro für fünf Jahre unterstützt wird.

Welchem Wissenschaftler die Professur übertragen werden wird, soll in Kürze bekannt sein. Schwerpunkt der Forschungsausrichtung soll die digitale Kardiologie sein.

Auf diesem Gebiet gibt es seit vergangenem Jahr Evidenz, die für den Einsatz von Telemedizin spricht. Die Fontane-Studie in Brandenburg mit mehr als 1500 fernüberwachten Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz habe ergeben, dass die Sorge vor einem Bedeutungsverlust der Ärzte im digitalmedizinischen Alltag unbegründet sei, sagte Studienleiter Professor Friedrich Köhler von der Berliner Charité.

Tatsache sei, dass die Telemedizin ein Mehr an Zuwendung zum Patienten möglich gemacht habe. Wichtigste Ergebnisse der Studie seien ein Rückgang von Hospitalisierungen und ein längeres Überleben der telemedizinisch betreuten Patienten gegenüber der Vergleichsgruppe.

Für die niedergelassenen Kollegen in dem strukturschwachen ländlichen Gebiet habe die telemedizinische Überwachung der Patienten und die fortlaufende Datenauswertung in einem telemedizinischen Zentrum an der Berliner Charité eine Entlastung bedeutet.

„Die beteiligten Ärzte fragen, wann sie weiter mit dem Verfahren arbeiten können“, berichtete Köhler. Nach Ende der Studie sind die Teilnehmer derzeit wieder von der Datenleitung abgeklemmt.

Jens Spahn weiß Bescheid

Jetzt gehe es um Fragen, wie telemedizinische Verfahren mit erwiesener Wirksamkeit in die Regelversorgung kommen könnten, sagte Köhler. Und natürlich um die Erstattung. Er habe die Studienergebnisse an Gesundheitsminister Jens Spahn geschickt, aber bislang keine Antwort erhalten.

Der Wermutstropfen: Was für die Herzinsuffizienz gilt, lässt sich nicht auf alle chronischen Krankheiten übertragen. Zunächst müssten die Studiendesigns an die Möglichkeiten der Digitalisierung angepasst werden. Für ein Monitoring von COPD-Patienten lägen bislang negative Ergebnisse vor. Dafür sei die Sensorik noch nicht ausreichend entwickelt, sagte Vogelmeier.

Wo die digitale Technologie die Ärzte sehr bald im Praxisalltag noch mehr als bei Blutzucker und Schwangerschaftstests unterstützen kann, ist die Notaufnahme. Darauf hat Professor Klaus Stefan Drese von der Hochschule Coburg verwiesen.

In den USA würden bereits Chip-basierte Blutuntersuchungen in der Notaufnahme eingesetzt. In Verbindung mit algorithmusgestützten Triage-Systemen, wie sie in Deutschland vorbereitet werden, ergeben sich für die Mini-Chip-Labore Perspektiven.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 07.02.2019 um 17:36 Uhr.

Mehr zum Thema

Serie IT-Sicherheitsrichtlinie

So verschlüsseln Ärzte Daten auf dem Smartphone

Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Gesundheitsministerkonferenz will mehr Gelegenheiten für das Corona-Impfen schaffen – so auch in Apotheken.

© ABDA

GMK-Beschluss

Gesundheitsminister wollen Corona-Impfungen in Apotheken

Bei aggressiven Patienten hilft nur Deeskalation: Dabei sollten die MFA ruhig, aber bestimmt Grenzen setzen.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Tipps

Die richtige Kommunikation mit schwierigen Patienten