Kassen zweifeln ZI-Daten an

Doktoren ohne Arbeitszeit

Für künftige Honorarverhandlungen können sich Ärzte schon einmal darauf einstellen: Eine gestiegene Arbeitszeit werden die Kassen ihnen nicht mehr als Argument für mehr Geld anerkennen. Denn die Kassen trauen dem Zi-Praxispanel nicht.

Von Rebekka HöhlRebekka Höhl Veröffentlicht:
Geld für den Doktor: Künftig dürften die Honorarverhandlungen schwieriger werden.

Geld für den Doktor: Künftig dürften die Honorarverhandlungen schwieriger werden.

© Eisenhans / fotolia.com

BERLIN. Arbeiten Vertragsärzte wirklich im Schnitt 52 Wochenstunden? Mit diesen Zahlen war die KBV ins Rennen um die Honorarverhandlungen gegangen.

Die Krankenkassen halten dagegen: Da würden Legenden geschaffen, sagte Andreas Hustadt, Leiter der Landesvertretung NRW im Verband der Ersatzkassen (vdek), bei einer Fachtagung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Berlin.

Die Zahl der KBV stammt direkt aus den Praxen, sie wurde im Rahmen des Praxispanels des Zi - kurz ZiPP genannt - erhoben. Doch die Kassen vertrauen den Ärzten in dieser Angelegenheit scheinbar nicht.

So sagte auch Dr. Manfred Partsch vom GKV-Spitzenverband, der mit im Bewertungsausschuss sitzt: Man stütze sich hier auf Angaben, die niemand überprüfen könne. Zudem seien sie Schätzungen der Ärzte, die "ja keine Zeiterfassung haben".

Dass das Zi hier durchaus eine Plausibilitätsprüfung in Sachen ärztliche Arbeitszeit vornimmt, wie Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried erklärte, hat die Kassen offenbar nicht überzeugt.

Ebenso wenig der Einwand vom NAV-Virchow-Bund-Chef Dr. Dirk Heinrich, dass sich die Arbeitszeit auch über die Fallzahlen nachvollziehen lasse.

Noch Kapazitäten frei?

In den Honorarverhandlungen, die ja am Ende durch einen Schiedsspruch zu einem Ergebnis geführt worden sind, mag die Arbeitszeit der Ärzte nur ein Streitpunkt von vielen gewesen sein.

Für künftige Vertragsverhandlungen könnte es aber ein sehr wichtiges Thema werden. Der Grund: Das vom GKV-Spitzenverband in Auftrag gegebene Prognos-Modell zur Berechnung des Orientierungswertes berücksichtigt die wöchentliche Arbeitszeit der Ärzte gar nicht bei den Praxiskosten.

Nach dem Prognos-Modell, das sich weitgehend auf Kostendaten vom Statistischen Bundesamt stützt, sind die Stückkosten je Leistung im Vergleich der Jahre 2008 und 2011 sogar um drei bis fünf Prozent zurückgegangen.

Ursache für diese Kostendegression sei, dass sich die Zahl der Praxen reduziert habe und gleichzeitig die Zahl der erbrachten Leistungen gestiegen sei, so Dr. Ronny Wölbing von der Prognos AG.

Er schließt daraus, dass die Ärzte durchaus noch freie Kapazitäten haben. Wölbing: "Dass wir beobachten, dass sich Sprechzeiten verkürzen oder es schwerer wird einen Arzttermin zu erhalten, hat ja nicht unbedingt etwas mit einer Überlastung der Ärzte zu tun."

Ganz im Gegenteil, solche Dinge wie die RLV könnten durchaus dazu geführt haben, dass sich mancher Arzt genau ausrechne, welche Leistung sich lohne, und ob ein Termin nicht doch einmal verschoben werden könne.

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