Anlagen-Kolumne

EZB-Medizin verunsichert die Anleger

Von Gottfried Urban Veröffentlicht: 04.04.2016, 07:21 Uhr

Die Zentralbank-Medizin wird immer höher dosiert. Geht es nach der EZB, dann werden die negativen Realzinsen, also der Sparzins abzüglich der Inflation, erst in 2020 und folgende Jahre den Hochpunkt erreichen. Was sind die Risiken und Nebenwirkungen der Geldmedizin?

Als erstes wird es zu Vermögenspreisblasen kommen und einer -umverteilung. Die Reformmüdigkeit der Euro-Staaten wird anhalten. Ein schwacher Euro soll zudem einen inflationssteigernden Effekt ausüben. Problematisch ist nur, dass es so aussieht, als bedürfe es, um einen dauerhaften Effekt zu erzielen, immer mehr derselben Medizin.

Der Negativzins wird noch negativer. Am Ende wird die Bereitschaft, sich für Investitionen in Finanzanlagen zu verschulden, die Preisblase an den Kapitalmärkten an die Spitze treiben. Trotz Negativzinsen ist der zinslose Geldbestand möglicherweise nicht die schlechteste Idee.

Und Sparer müssen die schleichende Entwertung eines Großteils ihres Vermögens ja auch nicht in Kauf nehmen. Erstklassige global agierende Qualitätsunternehmen mit geringer Verschuldung und einem stabilen Geschäftsmodell sollten einen festen Teil des Gesamtvermögens ausmachen.

Comeback von Gold?

Die Geldpolitik bringt womöglich auch ein Comeback des Goldes mit sich. Und nur weil die Immobilie keinen täglichen Börsenpreis hat, bedeutet das noch keine Sicherheit, dass sich der Sachwert kaufkraftmehrend in ferner Zukunft zu Geld machen lässt.

Vielleicht sollte man aktuell sogar über den Verkauf einer Anlageimmobilie nachdenken und Gelder langfristig in Qualitätsaktien stecken. Weltweit agierende marktführende Unternehmen werden auch der nächsten Krise zum Trotz Geschäft machen.

Die vergangenen zehn Jahre zeigten eindrucksvoll, dass extrem unwahrscheinlich einzuschätzende Ereignisse mehrmals hintereinander eintreten können. Nichts ist mehr unmöglich.

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