Bundesfinanzhof

Ein gefahrener Arbeitsweg bringt nur halbe Entfernungspauschale

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs könnte auch Folgen für Ärzte oder Pflegekräfte haben, die regelmäßig Nachtdienste leisten. Es geht um das Ansetzen des Arbeitsweges in der Steuererklärung.

Veröffentlicht: 15.06.2020, 19:51 Uhr

München. Arbeitnehmer oder auch freiberufliche Ärzte müssen bei Nachtdiensten oder anderen über Nacht dauernden Arbeiten an ihrer Arbeitsstelle steuerliche Abstriche bei der gesetzlichen Entfernungspauschale machen. Denn legt der Beschäftigte an einem Arbeitstag nur einen Weg zur oder von der Arbeitsstätte zurück, kann für den jeweiligen Tag auch nur die Hälfte der Entfernungspauschale in der Steuererklärung steuermindernd geltend gemacht werden, also 0,15 Euro. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Freitag schriftlich veröffentlichten Urteil.

Die Entscheidung könnte auch Folgen für Ärzte und Pflegekräfte im Nachtdienst haben, die zumindest am ersten und letzten Tag ihres Dienstes nur einen Weg fahren und damit nicht die volle Entfernungspauschale für diese beiden Tage beanspruchen können, sondern jeweils nur die halbe.

Im konkreten Rechtsstreit ging es um einen Flugbegleiter aus Nordrhein-Westfalen, der regelmäßig mit seinem Pkw zu seiner Arbeitsstätte am Flughafen fuhr. Im Jahr 2014 kehrte er an 31 Tagen nicht am selben Tag wieder nach Hause zurück, da er seinen Dienst erst am darauffolgenden Tag beendete.

Tag des Rückweges maßgeblich

Das Finanzamt erkannte den Werbungskostenabzug nicht in voller Höhe an. Der Flugbegleiter habe an den in Streit stehenden 31 Tagen seinen Arbeitsweg ja nur einmal zurückgelegt. Statt der angeführten 0,30 Euro pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeit könne er daher nur noch 0,15 Euro geltend machen. Daher kürzte der Fiskus die Werbungskosten um 1260,15 Euro.

Dem stimmte nun auch der BFH zu. Damit die volle Entfernungspauschale als Werbungskosten steuerlich berücksichtigt werden kann, müssen Arbeitnehmer noch am selben Tag ihren Hin- und Rückweg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte antreten.

Umsetzung für Ärzte und Pfleger fraglich

Ob Ärzte und Pfleger nun mehr als bisher dokumentieren müssen, um den Arbeitsweg bei Nachtdiensten von der Steuer absetzen zu können, war nicht Gegenstand des Urteils. Fallen bei mehreren aufeinanderfolgenden Nachtdiensten pro Arbeitstag ein Rück- und ein Hinweg an, können angestellte oder freiberufliche Ärzte als Folge der Bundesfinanzhof-Entscheidung auf jeden Fall weiter die volle Entfernungspauschale steuermindernd geltend gemacht werden, für den ersten und den letzten Tag der Nachtdienste dagegen jeweils nur die halbe Pauschale.

Bundesfinanzhof

Az.: VI R 42/17

Mehr zum Thema

Krankenhausplan

Allianz zur Personaldichte ist rechtens

KBV nimmt Klage zurück

Vergütung für Corona-Tests wird weiter verhandelt

Nordrhein-Westfalen

Immer mehr Pfleger aus dem Ausland

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Impfbereitschaft geht flöten

EU-Bürger befragt

Impfbereitschaft geht flöten

„Hormonersatztherapie mit einem anderen Ansatz“

S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause

„Hormonersatztherapie mit einem anderen Ansatz“

Neue Corona-Studien: Geruchsverlust über Wochen

COVID-19

Neue Corona-Studien: Geruchsverlust über Wochen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden