Eingefrorene Fonds zahlen immer noch an Rentner

FRANKFURT AM MAIN (hai). Der Lebensstandard zehntausender deutscher Rentner - darunter zahlreiche Ärzte im Ruhestand - gerät durch die Krise der offenen Immobilienfonds in Gefahr. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vermutet einen Verstoß gegen das Investmentgesetz dadurch, dass ältere Anleger weiterhin Geld aus eingefrorenen Fonds bekommen - anderen Sparern der Zugriff auf das dortige Geld aber verwehrt wird.

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"Wir prüfen, ob die Bedienung der Auszahlungspläne gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz aller Anleger verstößt", sagt BaFin-Sprecherin Anja Engelland. Nach dem Investmentgesetz müsse ein Fonds alle Sparer zu jeder Zeit gleich behandeln. Dieses Gebot könnte verletzt sein, wenn eine Fondsgesellschaft die monatlichen Auszahlungspläne weiter bedient, den übrigen Anlegern jedoch das Geld vorenthalte.

Verbietet die Aufsichtsbehörde die Auszahlungen, würden manche Rentner einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen verlieren. "Einige unserer Anleger sind zur Bestreitung ihrer Lebenshaltungskosten auf die monatlichen Zahlungen aus ihrem Fondsvermögen angewiesen", sagt Dietmar Müller, Marketingchef der Degi.

Dies gelte vor allem für Freiberufler und Selbstständige wie ehemals praktizierende Ärzte, die über die Auszahlungspläne zum Teil mehrere tausend Euro im Monat beziehen. Die Degi musste wie sieben weitere Anbieter ihre offenen Immobilienfonds Ende Oktober nach hohen Mittelabflüssen vorübergehend einfrieren. Insgesamt sind elf Fonds mangels Liquidität gesperrt. Mehr als drei Millionen Anleger haben deshalb keinen Zugriff auf ihr investiertes Kapital.

Ungerecht? Die Bundesanstalt prüft jetzt die Zahlungen.

Außer der Degi bedient auch die SEB weiterhin die Auszahlungspläne ihres Immoinvest-Fonds. Die Gesellschaften nutzen dazu die laufenden Mieteinnahmen. Bei der Degi beliefen sich die monatlichen Aufwendungen für die Rentenzahlungen auf 1,8 Millionen Euro, sagt Marketingchef Müller. "Die Summe können wir problemlos aufbringen, weil unsere monatlichen Mieteinnahmen rund 30 Millionen Euro betragen." Einige andere Kapitalanlagegesellschaften haben bislang nur die Ende Oktober fälligen Auszahlungen überwiesen und warten nun die Reaktion der BaFin ab.

Der Fondsverband BVI teilt die Bedenken der Bundesanstalt nicht. "Die Bedienung der Auszahlungspläne verstößt nicht gegen das Gleichheitsprinzip, weil es sich bei den Inhabern von Rentenplänen um eine eigenständig definierte Gruppe handelt, die mit anderen Anlegern nicht vergleichbar ist", sagt BVI-Sprecher Andreas Fink.

Zahlreiche Rentner haben gerade wegen der Auszahlungspläne ihr Geld in offene Immobilienfonds investiert. Bislang hatten fast alle Fonds jedes Jahr positive Renditen erzielt. Lediglich der Euro-Immoprofil der Hypovereinsbank-Tochter iii Investments wies zwischenzeitlich auch einmal geringe Verluste aus.

Stoppt die BaFin die Auszahlungen, könnte dies dazu führen, dass ältere Anleger nun auch aus jenen Fonds flüchten, die noch nicht eingefroren sind - und dass diese dadurch ebenfalls gesperrt werden müssen. Insgesamt verwalten die offenen Fonds ein Vermögen von 88 Milliarden Euro. 30,7 Prozent des Immobilienbestands befindet sich in Deutschland. Die Liquiditätskrise könnte dazu führen, dass Fonds im kommenden Jahr Objekte in Notverkäufen abstoßen und damit erhebliche Verwerfungen am deutschen Immobilienmarkt auslösen.

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