Medica 2016

Elf Milliarden Euro für die elektronische Patientenakte?

Nicht nur Gesundheits-Apps stehen bei der Medica 2016 im Blick, sondern auch die elektronische Patientenakte in ihren Varianten. Würden öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe der ePA zum Durchbruch verhelfen?

Von Ilse Schlingensiepenund Hauke Gerlof Veröffentlicht: 17.11.2016, 05:48 Uhr

DÜSSELDORF. Neue Software, neue Konzepte und politische Perspektiven – bei der derzeit laufenden Medizinmesse Medica ist ein Schwerpunktthema der Digitalisierung des Gesundheitswesens die elektronische Patientenakte (ePA). Dabei geht es auch um den Einsatz finanzieller Mittel.

So fordert der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) ein nationales Investitionsprogramm zur flächendeckenden Einführung der ePA. "Der VKD sieht die öffentliche Hand in der Pflicht, da es hier um eine Infrastrukturleistung geht, die Voraussetzung für eine bessere Patientenversorgung ist", sagte Verbandspräsident Dr. Josef Düllings beim 39. Deutschen Krankenhaustag in Düsseldorf.

Er verwies auf die aktuelle Studie der Stiftung Münch, nach der Deutschland bei der Einführung der elektronischen Patientenakte unter 20 europäischen Ländern nur auf Platz acht gelandet ist (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

In den USA hat sich nach Angaben von Düllings der Anteil der Kliniken mit Electronic Health Record (elektronische Patientenakte) von neun Prozent im Jahr 2008 auf 85 Prozent 2015 erhöht. Der Grund: eine Förderung von 30 Milliarden US-Dollar über sieben Jahre aus dem Bundeshaushalt. "Überträgt man diese Erfahrungen bezogen auf die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland, dann wären hierzulande IT-Investitionen pro Jahr von 1,55 Milliarden Euro oder über sieben Jahre rund 11 Milliarden Euro erforderlich." Auch in Deutschland sollte die IT-Infrastruktur eine öffentliche Aufgabe sein. "Sonst sind wir hier weiter mit ‚Steinplatte und Keil‘ unterwegs."

Während die Bevölkerung hierzulande weitestgehend im digitalen Zeitalter angekommen sei, täten sich die Institutionen noch schwer, kritisierte Düllings. Die elektronische Gesundheitskarte sei keine Innovation mehr, sondern ein Milliardengrab ohne erkennbaren Nutzen für Patienten und Krankenhäuser. "Diese Erfahrungen zeigen, dass die institutionelle Digitalisierung für den Anschluss an die Zukunft des Informationsmanagements in der Krankenhausbranche, vor allem aufgrund der hohen Datenschutzhürden in Deutschland, wenig zielführend ist", sagte der VKD-Präsident.

Nach seiner Ansicht sollten bei der Förderung einer funktionsfähigen Infrastruktur vor allem die Optionen der individuellen Digitalisierung geprüft werden wie die Nutzung von Health-Apps. Aufgrund der mobilen Internetnutzung und dem Wissensmanagement in eigener Sache sei der Patient im Behandlungsprozess heute viel intensiver eingebunden. "Das geänderte Patientenverhalten muss bei der Entwicklung einer nationalen sektorübergreifenden E-Health-Strategie Berücksichtigung finden", forderte Düllings.

Bei seinem Rundgang zum Start der Medica erhielt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auch Einblicke in neue Konzepte für die Patientenakte. So zeigte die CompuGroup Medical eine eigene ePA-Entwicklung, auf die Ärzte über die gesicherte Telematikinfrastruktur Zugriff haben, die aber auch Patienten mit selbst erhobenen Daten füttern können. Aber auch neue fallbasierte Aktenkonzepte werden aktuell diskutiert.

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