Anlagen-Kolumne

Engpässe sind ein Glück für Investoren

Sind Produkte knapp, können Hersteller von steigenden Preisen profitieren – und natürlich auch Anleger, die auf solche Marktlagen geachtet haben.

Von Hanno Kühn Veröffentlicht:

Wenn ein Marktlagengewinn (engl.: windfall profit) ins Spiel kommt, freuen sich Investoren. Der Begriff bezeichnet den Gewinn eines Unternehmens, der durch eine unvorhersehbare Marktentwicklung entsteht; er beruht also nicht auf besonderen Leistungen, sondern ist quasi dem glücklichen Zufall geschuldet. In der Pharmaindustrie kommt das häufiger vor.

Eine Form des Marktlagengewinns ist der Knappheitsgewinn. Hier führt die mangelhafte Verfügbarkeit eines Medikaments bei stabiler Nachfrage zu einem Engpass und in der Folge zu steigenden Produktpreisen. Der Mangel kann zum Beispiel entstehen, wenn ein Wirkstoff von nur zwei Unternehmen produziert wird und eines ausfällt. Dann kann der verbleibende Hersteller wegen seiner Monopolstellung die Preise erhöhen und Extragewinne einfahren.

Corona-Impfstoff zum Selbstkostenpreis

Das Prinzip etwas falsch verstanden hatte der US-Unternehmen Turing 2015: Nach dem Erwerb der amerikanischen Vermarktungsrechte für Daraprim, das gegen Infektionen bei Aids-Patienten und Schwangeren eingesetzt wird, erhöhte er den Preis für nur eine Tablette über Nacht von 13,50 auf 750 US-Dollar. Der ambitionierte CEO musste diese massive Preissteigerung wegen des öffentlichen Drucks allerdings schließlich zurücknehmen.

Auf einen solchen Marktlagengewinn aus ethischen Gründen weitgehend verzichtet haben übrigens in der aktuellen Pandemie die Impfstoff-Unternehmen: Sie gaben den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 teilweise zum Selbstkostenpreis ab – im Gegensatz etwa zu den Herstellern von Schutzmasken.

Fazit für Anleger: Wer den Markt beobachtet, kann Gelegenheiten für einen windfall profit rechtzeitig entdecken und mit den entsprechenden Aktien interessante Renditen erzielen. Vor Aktien von Unternehmen mit Windhunden an der Spitze gilt es jedoch, sich in Acht zu nehmen.

Dr. Hanno Kühn ist Chief Investment Officer der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

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