BGH-Folgen

Europa Apotheek schmälert Rx-Bonus

Von über zwei auf ein Euro: Die Europa Apotheek reduziert ihre "Rabatte" für Rezeptarzneien drastisch. Hintergrund ist ein BGH-Urteil. Die Apotheker zieht aber weiter vor Gericht.

Veröffentlicht: 22.09.2012, 05:33 Uhr
Europa Apotheek schmälert Rx-Bonus

Erst einmal deutlich weniger Rx-Rabatt: Die Europa Apotheek Venlo kämpft weiter für Boni.

© Europa Apotheek

VENLO (cw). Die Europa Apotheek hat ihren Bonus auf rezeptpflichtige Produkte mehr als halbiert. Sie zieht damit Konsequenzen aus demjüngst ergangenen Spruch des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes.

Für jedes verschreibungs- und zuzahlungspflichtige Medikament lobt die niederländische Versandapotheke jetzt einen Euro Gutschrift aus. Bis dato waren es pro Rezeptposition 2,49 Euro.

Damit schwenken die Niederländer auf die vom BGH schon früherbenannte Geringwertigkeitsschwelle für Zugaben im Rezeptgeschäft ein. In dieser Höhe, so der BGH, seien Zugaben zumindest wettbewerbsrechtlich unbedenklich.

Gleichzeitig bekräftigte die Europa Apotheek ihre Absicht, gegen das arzneimittelrechtliche Verbot von Rx-Boni auf europäischem Parkett vorgehen zu wollen. "Unsere Beschwerde liegt der EU-Kommission bereits vor", teilte das Unternehmen mit

Wettbewerber DocMorris hat auf den Spruch des Gemeinsamen Senats noch nicht reagiert, demzufolge auch ausländische Versandapotheken deutschem Preisrecht unterliegen, wenn sie nach Deutschland liefern.

Linda fordert Blick auf niederländische Konsequenzen

Nach wie vor wirbt DocMorris mit einer Gutschrift von mindestens 2,50 Euro pro verschreibungspflichtigem Medikament, maximal werden 15 Euro mit der Zuzahlung verrechnet oder dem Kundenkonto gutgeschrieben.

Allerdings rechnen Branchenbeobachter damit, dass auch der Pionier und Marktführer im Arzneimittelversand sein Bonusmodell demnächst umstellen wird.

Denn obgleich der Befund des Gemeinsamen Senats erst noch in ein rechtskräftiges Urteil des BGH einfließen muss, wird die Geltung der Arzneimittelpreisverordnung für die EU-Versandapotheken ohnedies in Kürze geltendes Recht. Grund ist die am Freitag vom Bundesrat verabschiedete 16. AMG-Novelle.

Unterdessen hat die Apothekenkooperation LINDA in einem "Offenen Brief" alle Landesapothekerkammern aufgefordert, der niederländischen Konkurrenz jetzt genauer auf die Finger zu schauen und "unverzüglich Schritte gegen die EU-Versandapotheken" einzuleiten, die weiterhin über die vom BGH gesteckten Grenzen hinaus Rx-Boni geben.

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