Klinikmanagement

Fixierung wegen Mangels an Personal?

Veröffentlicht: 07.10.2019, 16:29 Uhr

Ein Parkinson-Patient soll ohne sein Einverständnis und gegen den Willen seiner Angehörigen über 16 Stunden lang in den Lahn-Dill-Kliniken an sein Bett fixiert worden sein. Das geht aus einer aktuellen Recherche des Hessischen Rundfunks (HR) für das Fernsehmagazin „defacto“ hervor.

Auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ wollten sich die Lahn-Dill-Kliniken zu den Vorwürfen mit Verweis auf die Rechte des Patienten nicht äußern. In der schriftlichen Erklärung heißt es von einer Klinik-Sprecherin, „dass wir zum Schutz unserer Patienten, auch wenn eine Einwilligungserklärung für die Weitergabe von Informationen durch den Patienten vorliegt, keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte an die Öffentlichkeit weitergeben“. Allerdings stehe die Leitung der Klinik für Neurologie dem Patienten und dessen Angehörigen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um Fragen zu klären.

Laut HR-Recherchen ist der Mann wegen Nebenwirkungen neuer Parkinson-Medikamente in die Klinik eingewiesen worden. Im Pflegeprotokoll sei dokumentiert, dass der Patient während seines Krankenhausaufenthaltes gestürzt und unruhig gewesen sei. Daraufhin habe man ihn an fünf Punkten im Bett fixiert. Im HR-Beitrag erinnert sich der Patient an den Moment seiner Fixierung: „Ich wurde oben festgeschnallt, Hüfte und die Beine auseinander. Die konnten sich nicht mehr bewegen. Ich habe gesagt, sie sollen es nicht so fest machen. Das war so grausam.“

Dem Bericht zufolge hat das Klinikum den Angehörigen mitgeteilt, dass die Fixierungsmaßnahme wegen Personalmangels notwendig gewesen sei. Man könne sich nicht ausreichend um den Patienten kümmern. Eine richterliche Genehmigung für die Fixierung habe jedoch nicht vorgelegen. Kurz nach seiner Fixierung habe der Patient eine Spritze bekommen. „Und dann habe ich mitgekriegt, wie sie gesagt haben: ‚Jetzt haben wir ihn endlich soweit, jetzt ist er fertig‘.

Laut HR ist im Pflegeprotokoll von starken, angstlösenden Medikamenten die Rede. Nach neun Tagen hätten die Angehörigen auf Entlassung des Patienten gedrängt. Ein Privatvideo, das im HR zu sehen ist, soll den Patienten kurz nach seiner Fixierung zeigen. Darin scheint er in einem schlechten Allgemeinzustand und kaum ansprechbar zu sein, und dass obwohl er , nach Aussage der Angehörigen im HR bei seiner Einweisung „wach und zurechnungsfähig“ gewesen sei. (mu)

Mehr zum Thema

Notfallreform

Kassen sehen Chancen, Kliniken sehen Probleme

Krankenhaus-Abrechnung

DKG schlägt im Bundestag erneut Alarm

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Regressfalle dringender Heimbesuch

Abrechnung

Regressfalle dringender Heimbesuch

So lässt sich Typ-2-Diabetes vorbeugen

Prävention in fünf Schritten

So lässt sich Typ-2-Diabetes vorbeugen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden