Klinikalltag

Fronten weichen langsam auf

Die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen bringen die Teams in Kliniken dazu, alte Grabenkämpfe zu begraben. Nun steht die Kooperation im Fokus, wie auf einer Fachtagung in Hamburg deutlich wurde.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Berufsgruppen in Kliniken rücken nach Beobachtung von Krankenhauschefin Kerstin Ganskopf enger zusammen.

Berufsgruppen in Kliniken rücken nach Beobachtung von Krankenhauschefin Kerstin Ganskopf enger zusammen.

© Dirk Schnack

HAMBURG. Knappe Finanzmittel und Vorgaben der Politik haben die Berufsgruppen im Krankenhaus enger zusammenrücken lassen.

 Ärzte, Management und Pflegekräfte sehen sich heute stärker als Team, zugleich ist die Bereitschaft zur Kooperation auch mit externen Akteuren gestiegen. Zu dieser Einschätzung kamen Vertreter der drei Gruppen auf den Norddeutschen Gesundheitstagen in Hamburg. 

"Früher versuchte jede Berufsgruppe, die Probleme allein zu lösen oder Druck weiter zu geben. Das funktioniert heute nicht mehr, in der Klinik wird gemeinsam agiert", sagte die neue Vorsitzende im Verband der Krankenhausdirektoren (VKD) Nord, Kerstin Ganskopf.

Die Geschäftsführerin des St. Elisabeth Krankenhauses in Eutin beobachtet ein zunehmendes Verständnis unter den Mitarbeitern für die Bedeutung jeder Berufsgruppe im Krankenhaus - dies gilt spätestens nach den jüngsten Problemen  mit Keim-Patienten auch für patientenferne Abteilungen wie die Reinigung.

Personalenwicklung im Fokus

Die Berufsgruppen rücken enger zusammen", bestätigte auch Dr. Arthur Friedrich vom Verband der Leitenden Krankenhausärzte. Der Rendsburger Chirurg hält den Austausch mit den anderen Berufsgruppen für "wohltuend". Das gilt seiner Ansicht nach auch für den generationsübergreifenden Mitarbeiter-Dialog in Krankenhäusern.

Sabine Holtorf aus dem Heider Westküstenklinikum (Bundesverband Pflegemanagement Schleswig-Holstein) berichtete, dass Leitungskräfte inzwischen ein deutlich verändertes Rollenverständnis haben.

Die Bedeutung der Personalentwicklung habe angesichts des drohenden Fachkräftemangels zugenommen. "Es hat einen eklatanten Wechsel gegeben, die junge Generation hat bestimmte Erwartungen. Sie versteht Führungskräfte heute mehr als Dienstleister, die etwas für ihre Mitarbeiter tun."

Nach Beobachtung Friedrichs bedeutet dies für die Führungskräfte: "Sie müssen sehen, wie sie die Ansprüche der Beschäftigten zur ausgewogenen Gestaltung von Arbeit zu Freizeit mit den Ansprüchen der Patienten an eine gute Versorgung in Einklang bringen."

Kampf um gemeinsame Vision

Erschwert wird diese Aufgabe laut Ganskopf durch zunehmende Regulierung und knappe Ressourcen: "Uns fehlt aus meiner Sicht mittlerweile eine gemeinsame innovative Vision und wir beschäftigen uns im Grunde nur noch mit unserem etablierten System in Teilbereichen. Mit dem Kleingedruckten."

Sie forderte die Kongressteilnehmer auf, sich zu fragen: "Was bewegt uns wirklich? Wie und wodurch prägen wir eigentlich noch unsere Häuser?"

Für Krankenhauschefin Ganskopf steht fest: "Wir müssen gegenseitig dafür sorgen, dass uns unsere gemeinsame Vision nicht verloren geht. Dass wir nicht durch Misstrauen, Konkurrenzkampf und Wettbewerb in eine Isolation und letztlich Resignation verfallen." 

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