Praxisführung

Gemeinsam auf dem Weg zum Hausarzt

In Bremen trifft sich auf Initiative des Hausärzteverbands regelmäßig eine Gruppe von Hausarzt- Assistentinnen und Assistenten - um gemeinsam zu lernen und Kontakt zu halten.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Die Treffen der Hausarzt-Assistenten in Bremen besuchen längst auch Kollegen aus Niedersachsen.

Die Treffen der Hausarzt-Assistenten in Bremen besuchen längst auch Kollegen aus Niedersachsen.

© cben

BREMEN. "Man kommt aus der Teamarbeit der Klinik in die Praxis, und dann steht man plötzlich alleine da", so formuliert es Myriam Schwickert, Hausarzt-Assistentin in Bremen. Wenigstens gegen die plötzliche Einsamkeit in der Ausbildungslandschaft haben die Bremer Hausarzt-Assistentinnen und -Assistenten ein Gegenmittel gefunden: einen Stammtisch. Außerdem bilden sie an der Weser - wie an noch relativ wenigen anderen Orten Deutschlands - eine feste Lerngruppe. "Inzwischen kommen sogar Kollegen aus Niedersachsen zu unseren Treffen herüber, damit sie nicht völlig allein sind", sagt Hausarzt-Assistent Ruben Bernau. Organisiert sind die vierteljährlichen Treffen vom Hausärzteverband, Landesverband Bremen. Das Geld für die Referenten kommt aus der Tasche des Verbandes.

Auch Krankengymnastik steht auf dem Trainingsplan

Die Zeit der ausschließlich vereinzelten Lernerei in den "Heimat"-Praxen ist für die angehenden Hausärzte damit vorbei. Aber eine funktionierende Verbundweiterbildung mit lebbarem Curriculum steht an der Weser noch aus. "Insgesamt haben wir in Bremen derzeit 21 angehende Hausärzte in den Praxen und noch viel mehr zur Weiterbildung berechtigte Kolleginnen und Kollegen", sagt Hausarzt Dr. Matthias Börger, schon in der zweiten Generation Hausarzt in Bremen-Huchting und zuständig für die Assistentengruppe. Die vierteljährlichen Treffen sind "eigentlich quasi Pflichtveranstaltungen", wie es in der Gruppe heißt. Heute, bei dem Treffen in einer Krankengymnastik-Praxis, sind nur elf Assistenten da - die aber profitieren davon. "Bisher habe ich mir die Untersuchung der Schulter selber zusammengepuzzelt", sagt Christian Goth, "hier konnte ich jetzt methodisch angeleitet lernen."

Allerdings sei organisatorisch, etwa hinsichtlich der Themenauswahl, noch einiges aufzuholen, das finden sowohl Börger als auch die Assistenten. Nach vier Stunden Fachunterricht am Mittwochvormittag wollen alle nach Hause. "Und - würden Sie die Gruppe vermissen?" - "Auf jeden Fall!"

In mehreren Gebieten Deutschlands, etwa in Baden-Württemberg, Hessen oder in Niedersachsen, haben sich Verbundweiterbildungen etabliert, die unter anderem den Übergang zwischen klinischer und ambulanter Ausbildung für Hausärzte erleichtern sollen.

Verbundweiterbildung ist im Gespräch

Unter Umständen könnten die Bremer Assistenten bald vor der Wahl stehen, ob sie sich der Gruppe des Hausärzteverbandes anschließen wollen oder dem Angebot einer Verbundweiterbildung der Kammer und der Krankenhausgesellschaft Bremen. Denn auch in Bremen sprechen Ärztekammer und Krankenhausgesellschaft darüber, eine Verbundweiterbildung auf die Beine zu stellen, bestätigt die Geschäftsführerin der Kammer, Dr. Heike Delbanco: "Wir wollen damit herausfinden, ob die Assistenten überhaupt Interesse daran haben."

Interesse dürfe vorhanden sein. Denn "das Problem beginnt schon damit, dass viele von uns in den Kliniken nicht verraten, dass sie Hausärzte werden wollen", sagt Assistent Ruben Bernau. "Schläfer" nennt Bernau diese vorsichtigen Kollegen. "Es ist bekannt, dass Ausbilder in den Krankenhäusern lieber künftige Fachärzte ausbilden und nur ungern Generalisten." Würden die Kliniken explizit Hausärzte ausbilden, wäre für die Assistenten eine wichtige Hürde genommen. Allerdings hätte man im kleinen Bremen zwei parallele Weiterbildungsangebote an die Assistenten. "Für die jungen Ärzte ist das kein Problem", ist Delbanco überzeugt, "sie sind durchaus in der Lage, zwischen zwei drei Angeboten zu wählen."

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