E-Mobilität

Grünes Denken setzt Autobranche unter Strom

Marktbeobachter erwarten Fusionen unter Autokonzernen, weil nur wenige die Entwicklung sauberer Elektromotoren oder neuer Techniken des autonomen Fahrens allein stemmen können. Das könnte auch deren Aktienkurse beflügeln.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 01.06.2019, 15:39 Uhr
Grünes Denken setzt Autobranche unter Strom

Die E-Zapfsäule: Sinnbild für die Mobilität von morgen.

© estations / Fotolia

NEU-ISENBURG. Mit nur wenigen Aktien ließ sich in den vergangenen zehn Jahren so viel Geld verdienen, wie mit dem Papier von Fiat Chrysler. Um 450 Prozent ist die Börsennotierung des italienisch-amerikanischen Autobauers seit 2009 gestiegen. Der Wert hat zuletzt erneut zugelegt.

Denn der Konzern ist auf den französischen Rivalen Renault mit der Offerte zugegangen, beide Unternehmen zu fusionieren. Mit 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen würde nach Volkswagen (10,8 Millionen) und Toyota (10,6 Millionen) der drittgrößte Autokonzern der Welt geschmiedet.

Experten erwarten bald weitere Zusammenschlüsse. „Es geht gerade erst los“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Auch Frank Schwope, Autoaktienanalyst der NordLB, sieht „erst den Anfang der Konsolidierung“ in der Branche.

Die durch die Digitalisierung ermöglichte Technik des autonomen Fahrens und der durch immer schärfere Umweltschutzauflagen erforderliche Umstieg auf emissionsarme Antriebe erfordern milliardenschwere Investitionen.

Deshalb dürften sich immer mehr Hersteller zusammentun, um gemeinsam die Herausforderungen zu stemmen. Lediglich Giganten wie Volkswagen und Toyota könnten es allein schaffen.

Vielversprechende Zweck-Ehe

„Welcher politische Druck auf dem Kessel ist, zeigt der Vorstoß der Grünen, bis 2030 die konventionellen Verbrennungsmotoren abzuschaffen“, sagt Martin Stötzel, Gründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management in Düsseldorf.

Die Stimmenzuwächse der Partei bei den jüngsten Wahlen zeigten, dass die Forderung bei immer mehr Menschen Zustimmung findet. Die Automobilindustrie stehe vor erheblichen Veränderungen, sagt Stötzel. „Das sollten Anleger berücksichtigen.“

Was die Fiat-Aktie seit 2009 rapide in die Höhe schnellen ließ, war die erfolgreiche Übernahme des durch die Finanzkrise angeschlagenen US-Autobauers Chrysler.

Als sich die Wirtschaft in den USA wieder erholte, profitierte der Konzern von der massiv anziehenden Nachfrage nach den von Chrysler produzierten hubraumstarken Geländewagen und Pickup-Trucks in den Staaten. Das ließ die Gewinne und den Aktienkurs steigen.

In Entwicklung von Elektromotoren kaum investiert

Doch für die Herausforderungen der Zukunft ist Fiat Chrysler schlecht aufgestellt. Der im vergangenen Jahr verstorbene ehemalige Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne investierte kaum in die Entwicklung von Elektromotoren.

In Europa umfasst die Produktpalette von Fiat vor allem Kleinwagen wie Panda und 500. Die Absatzzahlen der Traditionsmarke Alfa Romeo schrumpfen, weil die Produktpalette nur noch zwei moderne Fahrzeuge umfasst: den SUV Stelvio und die Sportlimousine Giulia, wobei Letztere nicht in der in Europa gefragten Kombiversion angeboten wird.

Hingegen ist Renault, der bereits 44 Prozent der Anteile am japanischen Autohersteller Nissan hält, stark bei Elektromotoren, hat aber bislang keinen Zugang zum wichtigen US-Markt. Ein Zusammenschluss würde deshalb für beide Unternehmen eine „Win-win-Situation“ schaffen, sagt Dudenhöffer.

Das sehen auch Börsianer so. Sowohl die Aktienkurse von Fiat Chrysler wie von Renault stiegen nach dem Fusionsangebot um jeweils mehr als acht Prozent.

Auch bei Zusammenschlüssen anderer Hersteller dürften deren Kurse steigen, sagen Analysten. Insbesondere BMW, Daimler, Ford sowie dem französischen PSA-Konzern werden Interessen an Fusionen oder engen Kooperationen mit anderen Produzenten nachgesagt.

Blick auch auf die Zulieferer

Für langfristig orientierte Anleger könnte es allerdings sinnvoller sein, auf Aktien von Zulieferunternehmen zu setzen, die in den Bereichen autonomes Fahren und emissionsarme Antriebe ganz vorne sind. „Die Zahl der Neuzulassungen von reinen Elektroautos steigt weltweit“, sagt Stötzel. „Der chinesische Markt hat sich 2018 verdoppelt.“

Eine Möglichkeit für Anleger am potenziellen Wachstum dieser Hersteller zu partizipieren, sei der jüngst aufgelegte Fonds BlackRockGlobal Funds – Future of Transport (WKN A2N4K3), sagt Stötzel.

„Er investiert den Großteil des Kapitals in Aktien von Unternehmen, die vor allem in der Erforschung, Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Transporttechnologien tätig sind.“

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