Pflegekongress in Hamburg

Interdisziplinäre Teams sind Chance für Patienten

Am Freitag startet der 17. Gesundheitspflegekongress in Hamburg. Zentrales Thema ist die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Pflege.

Veröffentlicht: 31.10.2019, 16:19 Uhr

Hamburg. Überlappung bei beruflichen Kompetenzen, starre Hierarchien, persönliche Eitelkeiten – Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Berufsgruppen kommen im Gesundheitswesen an vielen Stellen vor. „So you worked in teams? Show me your scars!“ – „Sie haben in Teams gearbeitet? Dann zeigen Sie mir Ihre Narben“: Unter diesem Titel wird Europas führender Palliativmediziner, Professor Gian Domenico Borasio, den 17. Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg am Freitag mit einer Keynote eröffnen.

Der Kongress wird wie jedes Jahr von Springer Pflege veranstaltet und dauert bis Samstag, 2. November an.

Wie lassen sich solche Kämpfe und Narben bei der interprofessionellen Zusammenarbeit vermeiden? Und inwiefern haben Palliative-Care-Teams einen Modellcharakter?

Eine Teamsitzung pro Woche

„Auf jeder Palliativstation in Deutschland findet mindestens einmal pro Woche eine Teamsitzung statt, an der wirklich alle beteiligten Berufsgruppen – Ärzte, Pflegefachkräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger, Physiotherapeuten und mehr – teilnehmen“, betont Borasio, der an der Universität Lausanne den Lehrstuhl für Palliativmedizin innehat. „Jede Berufsgruppe hat dabei eine andere Sicht auf den Patienten – und dieser Blick kann nur ein partieller sein.“

Wichtig sei es deshalb, die Multiperspektivität nicht als Hindernis, sondern als Chance zu sehen. „Nur so können wir einen wirklich facettenreichen Einblick in die Situation der Patienten und ihrer Familien gewinnen. Und mit ihnen anschließend die für sie wichtigen Punkte besprechen.“

Alarmzeichen für die Qualität der Versorgung

Eine solche Zusammenarbeit ist in anderen medizinischen Bereichen nicht unbedingt üblich. Häufig beispielsweise würden Pflegefachkräfte auf Intensivstationen in Entscheidungen am Lebensende von den Ärzten nicht einbezogen. Studien hätten zudem gezeigt, dass nur eine Minderheit der Pflegenden mit der Kommunikation zufrieden sei. „Das ist ein Alarmzeichen – auch für die Qualität der Versorgung“, warnt Borasio.

Rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zum 17. Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg erwartet, der sich als „Pflegegipfel des Nordens“ etabliert hat.

Neben Palliativmediziner Borasio eröffnen Cornelia Prüfer-Storcks, Hamburgs Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, sowie Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, mit ihren Grußworten den Kongress, der dieses Jahr vom BKK Dachverband unterstützt wird. Kooperationspartner sind traditionell die großen Kliniken aus der Region – das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die Asklepios Kliniken Hamburg GmbH, die Helios-Kliniken/Region Nord – sowie die HAW Hamburg und der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Hauptsponsor ist auch dieses Jahr das forschende Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb. (eb)

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