Universitätsklinik Münster

Klinik bündelt Kompetenz bei Behandlung von Trans-Personen

Das bundesweit erste interdisziplinäre Zentrum in Münster will Betroffenen eine umfassende Begleitung im Prozess der Transition ermöglichen.

Von Christian Bellmann Veröffentlicht:
Am UKM Münster startet das Center for Transgender Health (CTH), in dem Betroffene auf dem gesamten Weg ihrer Transition von vielen Disziplinen der Universitätsmedizin eng begleitet werden.

Am UKM Münster startet das Center for Transgender Health (CTH), in dem Betroffene auf dem gesamten Weg ihrer Transition von vielen Disziplinen der Universitätsmedizin eng begleitet werden.

© Rolf Vennenbernd/picture alliance

Münster. Das Universitätsklinikum Münster (UKM) geht neue Wege, um Trans-Personen eine ganzheitliche, lebensbegleitende Versorgung zu ermöglichen. Mit dem Center for Transgender Health (CTH) geht in Münster jetzt Deutschlands erstes interdisziplinäres Kompetenzzentrum an den Start, in dem Betroffene auf dem gesamten Weg ihrer Transition von vielen Disziplinen der Universitätsmedizin eng begleitet werden.

Dazu zählen Psychotherapie, Hormonbehandlung, Stimmtherapie, geschlechtsangleichende Operationen und auf Wunsch auch der Erhalt der Möglichkeit einer späteren Elternschaft. Das UKM sieht darin einen entscheidenden Fortschritt gegenüber der bisherigen Versorgungsrealität. „Die Zusammenarbeit auf hohem universitärem Niveau ist zukunftsweisend für Menschen, die sich auf den Weg einer geschlechtlichen und sozialen Transition machen“, sagte UKM-Sprecherin Anja Wengenroth am Freitag bei der digitalen Vorstellung des neuen Zentrums.

Mehr Menschen suchen Hilfe der Medizin

Das CTH soll dem Umstand Rechnung tragen, dass immer mehr Betroffene den Mut haben, zu ihrer Identität zu stehen, und deswegen die Hilfe der Medizin suchen, erläuterte Georg Romer, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie. „Die Zahlen steigen und werden auch in den kommenden 20 Jahren steigen“, erwartet er. Die entsprechenden Anforderungen an das Gesundheitswesen nehmen daher deutlich zu.

Ein weiterer Faktor: Die Behandlungswege werden immer individueller, standardisierte Verfahrensweisen gehören zunehmend der Vergangenheit an. „Es braucht dafür Expertise und Vernetzung“, betonte Romer. An interdisziplinärer Zusammenarbeit habe es bislang gemangelt, Betroffene müssen sich oft an viele verschiedene Stellen wenden, beispielsweise für Stimmbehandlung, psychotherapeutische Betreuung und operative Behandlung. In Münster soll dies künftig an einem Ort gebündelt erfolgen. Das soll auch der Forschung in dem Bereich zugutekommen, betonte Romer. Es gehe darum, Erkenntnisse zu gewinnen, daraus zu lernen und die Versorgung zu verbessern.

Normvariante der Entwicklung, keine Krankheit

Romer vergleicht den Stand beim Thema Transidentität mit der Situation vor rund 30 Jahren, als Homosexualität als psychiatrische Diagnose abgeschafft wurde. „An dem Punkt sind wir jetzt auch bei der Transidentität angekommen“, sagte er. „Die Fachwelt hat verstanden, dass Geschlechtsdiversität, und auch dass jemand sich in einem Geschlecht fühlt, das nicht mit seiner körperlichen Realität in Einklang zu bringen ist, eine Normvariante der menschlichen Entwicklung ist und kein krankhafter Zustand oder Ausdruck irgendeiner psychopathologischen Fehlentwicklung.“

Das UKM setzt auf die umfangreiche Erfahrung, die die beteiligten Kliniken bei der Beratung und Behandlung von Trans-Personen über Jahre gesammelt haben. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie hat seit 2013 rund 400 jugendliche Betroffene bei der Transition begleitet. „Unser Ziel ist es, europaweit eines der führenden universitären Zentren für die umfassende Versorgung von Trans-Personen zu werden“, sagte Romer.

Vorteile durch interdisziplinären Austausch

Die konservativen und operativen medizinischen Disziplinen werden am CTH durch Professorin Katrin Neumann, Direktorin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, sowie Professor Tobias Hirsch, Chefarzt für plastische und ästhetische Chirurgie an der Fachklinik Hornheide in Münster und Leiter der plastischen Chirurgie am UKM, vertreten.

Hirsch sieht in den besseren Möglichkeiten des interdisziplinären Austausches und Lernens entscheidende Vorteile, beispielsweise wenn es darum geht, den besten Zeitpunkt für Operationen zu ermitteln. Die Betroffenen selbst, Psychologen, Endokrinologen, Operateure – alle Beteiligten würden die Frage aus ihrer persönlichen beziehungsweise fachlichen Sicht möglicherweise anders beurteilen. „Das zusammenzufassen, ist sehr gewinnbringend“, sagte er.

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