Telematikinfrastruktur

Konnektortausch: „Ärztinnen und Ärzte brauchen Klarheit“

Die Debatte um den Austausch der Konnektoren wogt weiter hin und her. Die KV Niedersachsen schließt sich der KBV-Kritik an, ein Dienstleister vor Ort wirbt für Verständnis und verteidigt die Aktion.

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Konnektor auf der DMEA 2022: Die ersten Geräte müssen im Frühherbst ausgetauscht werden, weil die Zertifikate der alten Generation fünf Jahre nach der Produktion auslaufen. Strittig ist noch, ob es Alternativen zum Austausch gäbe.

Konnektor auf der DMEA 2022: Die ersten Geräte müssen im Frühherbst ausgetauscht werden, weil die Zertifikate der alten Generation fünf Jahre nach der Produktion auslaufen. Strittig ist noch, ob es Alternativen zum Austausch gäbe.

© Hauke Gerlof

Neu-Isenburg/Hannover. Nach der Gesellschafterversammlung der gematik am Dienstag, bei der auch über den anstehenden Konnektortausch gesprochen worden ist, macht sich in den KVen Nervosität breit. Wenige Wochen, bevor die ersten Konnektoren auszutauschen sind, sei immer noch nicht klar, ob die Geräte ausgetauscht werden müssen, kritisiert beispielsweise die KV Niedersachsen in einer Mitteilung.

Das BMG hatte nach der Versammlung getwittert, an der Faktenlage zum Austausch habe sich nichts geändert. Dennoch setzte die Kassenärztliche Bundesvereinigung durch, dass die gematik bis zur nächsten Versammlung eine Alternativenprüfung zum Konnektortausch vorlegen muss. Die CompuGroup Medical, deren Konnektoren zuerst ausgetauscht werden müssen, weil am längsten am Markt, senkte anschließend den Preis für den Konnektortausch so ab, dass Praxen keine Zuzahlung mehr leisten müssen.

Keine eAU ohne funktionierenden Konnektor

„Die Zeit drängt. In wenigen Wochen laufen in den Praxen die ersten TI-?Zertifikate ab. Ist nun ein Konnektorentausch fällig, oder gibt es Alternativen? Die Ärztinnen und Ärzte brauchen Klarheit“, fordert KVN-?Vorstandsmitglied Dr. Jörg Berling laut Mitteilung. Wenn das Zertifikat des Konnektors nach fünf Jahren auslaufe, dann seien das Einlesen von eGK, das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) oder der Versand von KIM-?Nachrichten und die eAU nicht mehr möglich.

In einem Leserbrief zum Beitrag über die Gesellschafterversammlung versucht Matthias Holle vom Systemhaus MATHOL, die Wogen zu glätten: „Es wäre grob fahrlässig einem unserer Kunden zu empfehlen, Geld in die Aufrüstung eines fünf Jahre alten, kommerziell im 24-Stunden-Dauerbetrieb genutzten, IT Gerätes zu investieren, dessen Zuverlässigkeit ebenso essenziell wichtig ist wie der Praxis-Server“, schreibt der Vertriebspartner der CompuGroup Medical. Zudem koste der Konnektor „nur unwesentlich mehr als ein Top-Smartphone mit dem Apfel, welches die gleichen Kunden ohne Not oftmals schon nach 24-36 Monaten ersetzen“.

Verlängerung der Laufzeit wäre „wirtschaftlich unsinnig“

Zwar wäre „nach Änderung von einigen Gematik-Sicherheitsvorgaben“ eine Laufzeitverlängerung „wahrscheinlich technisch machbar, aber wirtschaftlich völlig unsinnig“. Der Grund, so Holle weiter: „Die aktuell verbaute Verschlüsselungsmethode ist nur noch bis 2024 erlaubt, dann wäre ein Techniker-Einsatz vor Ort 2024 am Ende zusätzlich notwendig“, wenn die nächste Generation der TI 2.0 dann doch noch nicht fertig sei.

Nicht zuletzt würden die Kosten für die Praxen nun vollständig gefördert. Dafür bekomme die Praxis aber nicht nur ein identisches Austauschgerät, sondern eine neue und leistungsstärkere Hardware mit nochmals reduziertem Störungsrisiko. Im gleichen Termin könnten zudem sinnvolle Konfigurations-Optimierungen im Hinblick auf den bevorstehenden Start des E-Rezeptes durchgeführt werden, hebt Holle als weiteren Vorteil hervor. Insofern sei der Austausch auch „wirtschaftlich preiswert“. (ger)

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