Hintergrund

Kooperation mit Aldi-Philosophie - geht das gut?

Masse und zugleich Klasse - im Neurologischen MVZ in Dresden funktioniert das. Nur Expansion ist nicht möglich.

Von Thomas Trappe Veröffentlicht:
Wie Aldi setzt das Neurologische MVZ in Dresden auf Masse.

Wie Aldi setzt das Neurologische MVZ in Dresden auf Masse.

© dpa

Der Vorwurf, ein Medizin-Discounter zu sein, kann Dr. Lutz D. Lohse kaum aus der Reserve locken. "Ja, ich bin ein Aldi", sagt der Mann mit der Stoppelfrisur und dem locker sitzenden Hemd.

Lohse hat mit seinem Neurologischen Medizinischen Versorgungszentrum (NMVZ) in Dresdner Randlage ein Geschäftsmodell entwickelt, das auf Größe setzt und funktioniert. Viele Ärzte an vier Standorten in der Dresdner Innenstadt sparen dem Patienten Zeit und dem Gesundheitssystem Kosten.

Eine Sache, die Anklang finden sollte. Hört man Lohse zu, bekommt man jedoch einen anderen Eindruck. Von missgünstigen Kollegen, von nervender Bürokratie - und einem Arzt, der sich unsicher ist, ob er Lust hat, mit seinem Geschäftsmodell in Deutschland weiter zu machen.

35 Ärzte arbeiten am NMVZ

Das Konzept ist schnell erklärt: 35 Ärzte arbeiten am NMVZ, 200 Mitarbeiter gibt es insgesamt. Fast alle Bereiche der neuropsychiatrischen Behandlung werden in Lohses 2000 Quadratmeter großer Praxis abgedeckt, auch die technische Ausstattung sei umfassend, die Verwaltung besteht aus wenigen Personen.

Alle Patienten mit neurologischer Indikation könnten dadurch im Haus behandelt werden - einzig der Schlaganfall bedarf einer stationären Überweisung. Durch eine hohe Anzahl an Ärzten bekommen Patienten meist sofort einen Termin und innerhalb eines Tages eine Komplettdiagnose.

Billiger wird diese Art der Behandlung, weil ein Patient nicht lange auf einen Termin warten muss. Im Resultat gebe es weniger Arztbesuche und vor allem weniger Klinikeinweisungen.

Schnelligkeit ist nicht nur das Argument, mit dem das NMVZ Patienten lockt, sondern auch der Grund, warum das Geschäftsmodell überhaupt funktioniert. Wie alle anderen Ärzte in Sachsen rechnet Lohse seine Leistungen mit der KV ab und ist daher an die Versichertenpauschalen gebunden.

"Geld verdiene ich schlicht durch Masse", sagt Lohse. Das gehe nicht zu Lasten der Patienten, sagt er, "vielleicht aber zu Lasten einiger Kollegen, die mehr Zeit zur Indikation benötigen und dadurch Patienten verlieren".

Nach Leistung bezahlt

Lohse versteht sich als Unternehmer. Seine Ärzte sind angestellt und werden nach Leistung bezahlt. Auch bei den Überweisungen an Kliniken werden diese danach ausgewählt, wer die besten Qualitätsberichte vorzuweisen hat. Bis zu 200 Kilometer muss dann mancher Patient fahren; nur die wenigsten hätten damit ein Problem. Fast alle Patienten im NMVZ sind gesetzlich krankenversichert.

Begonnen hatte Lohse mit dem NMVZ-Projekt 2005. Zusammen mit seiner Mutter, einer Psychotherapeutin, und zwei anderen Kollegen. Gescheitert war zuvor die Idee, in Dresden ein Netzwerk von Neurologen aufzubauen, um die Versorgung von Patienten effizienter zu gestalten, sagt Lohse.

Zu Beginn der Praxisgründung steckte er alles Geld in das Haus. "Mit meiner Frau und Tochter wohnte ich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung." Zuvor arbeitete er sieben Jahre in einer Thüringer Klinik. Rund fünf Millionen Euro werden mittlerweile im NMVZ pro Jahr umgesetzt, es gibt acht Zweigstellen in Sachsen.

Der Dresdner ist sicher, dass seine Praxis nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen spart. Gebe es sein Haus nicht und müssten seine 25.000 Patienten pro Quartal auf die frühere neurologische Versorgungslage in der Stadt setzen, wären wohl doppelt so viel Ärzte nötig, um den gleichen Erfolg zu erzielen, schätzt Lohse.

Grenzen sind gesetzt

Der Neurologe würde mit seinem NMVZ gerne expandieren, sieht aber auch Gründe, die dagegen sprechen. So sei es ihm nicht erlaubt, viele Zusatzleistungen gegen Bezahlung anzubieten, bislang gibt es einzig eine Vitamin-Spritzenkur als IGeL im NMVZ.

Wegen der Grenzen, die ihm die Kassenärztliche Vereinigung und die Politik setzten, sei es kaum möglich, in Deutschland mit seinem Modell einen Gewinn zu erwirtschaften.

Lohse spielt daher mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen. Eine Praxis in St. Petersburg betreibt er bereits, gegen gute Bezahlung gibt es dort Arthrose-Behandlungen und Elektro-Physiologie.

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Kommentare
Ronald Bensch 01.02.201217:36 Uhr

Der Staatsanwalt hat das Wort

Prima Geschäftsmodell, für dass sich derzeit das Dresdner Landgericht interessiert!

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