Praxisführung

Land unter im Haus: Viele im Westen sichern sich nicht ab

NEU-ISENBURG (hai). Viele Grundeigentümer, darunter auch Ärzte, haben ihr Eigenheim nicht gegen Naturkatastrophen versichert. Das liegt teilweise aber nicht nur an mangelndem Risikobewusstsein: Für Immobilien in besonders gefährdeten Regionen bieten Assekuranzen keine Elementarschadenversicherung an.

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Die Überschwemmungskatastrophe im baden-württembergischen Killertal hat einmal mehr gezeigt, welche Urgewalten die Natur entfesseln kann. "Dennoch haben nur zehn Prozent aller Eigenheimbesitzer in den alten Bundesländern eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen", sagt Allianz-Sprecherin Sabine Schaffrath. Diese Police tritt für Schäden ein, die durch Überschwemmungen, Starkregenfälle, Erdbeben, Erdrutsche, Lawinen und Schneedruck auf Hausdächern entstehen. Sie sind über die Wohngebäude- und Hausratversicherungen nicht abgedeckt.

In den neuen Ländern liegt die Quote mit 80 Prozent weit höher. "In der DDR waren Elementarschäden in der damaligen Haushaltversicherung mit abgedeckt", sagt Schaffrath. Bei der Umstellung auf die heutige Hausratversicherung konnten die Versicherten diesen Schutz beibehalten. Im vereinigten Deutschland gibt es eine solche Pflichtversicherung jedoch nicht.

Das Risikobewusstsein ist sehr gering

"Die niedrige Versicherungsquote in Westdeutschland zeigt, wie gering das Risikobewusstsein vieler Eigenheimbesitzer ist", sagt Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dabei seien die Kosten für eine Elementarschadenversicherung äußerst niedrig, im Vergleich zum potenziellen Schadensausmaß.

Die Assekuranzen haben Deutschland mit ihrem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) kartiert. In der Zone 1 - Regionen mit geringer Schadenswahrscheinlichkeit - kann ein Haus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche für weniger als 50 Euro pro Jahr versichert werden. In der höchsten noch versicherbaren Gefährdungszone 4 liegen die Kosten unter 250 Euro pro Jahr mit einem Selbstbehalt von meist 3000 Euro pro Schadensfall. Für die Hausratversicherungen, über die Schäden an der Einrichtung abgedeckt werden, fallen in der Zone 4 zusätzlich rund 100 Euro pro Jahr bei einem Selbstbehalt von ebenfalls um die 3000 Euro an.

In manchen Gebieten gibt es keinen Versicherungsschutz

Allerdings ist es für Grundeigentümer in von Überschwemmungen und Erdbeben extrem gefährdeten Regionen gar nicht möglich, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen. "Wegen des hohen Risikos wären die Prämien unbezahlbar", sagt Christoph Schmidt-Schröder, Berater beim Bund der Versicherten (BDV). Betroffen seien davon knapp zwei Prozent aller Eigenheime in Deutschland, sagt GDV-Sprecher Schweda. Es handele sich um Immobilien, die in der Erdbebenregion bei Aachen sowie direkt an Bächen und Flüssen liegen, die regelmäßig über die Ufer treten.

In diesen Gebieten würden die Eigentümer jedoch selbst Vorsorge treiben, sagt Allianz-Sprecherin Schaffrath. So seien in der Altstadt von Passau, die wegen des jährlichen Hochwassers von einer Elementarschadenversicherung ausgeschlossen ist, die Keller sämtlicher Häuser gefliest. Nach dem Hochwasser wird der Schlamm einfach weggespült.

Die Versicherungspolicen im Überblick

  • Wohngebäude- und Hausratversicherungen decken Schäden durch Hagel, gewöhnlichen Regen, Feuer (auch bei übergreifenden Waldbränden), Sturm und Defekte an elektrischen Leitungen ab. Die jährlich rund 460 000 Überspannungsschäden durch Blitzschlag sind dabei jedoch nicht versichert. Eigentümer und Mieter können ihre elektrischen Geräte allerdings durch eine Zusatzversicherung gegen diese Schäden absichern.
  • Über die Elementarschadenversicherung lassen sich Schäden durch Überschwemmung, Starkregen, Erdbeben, Erdrutsche, Lawinen und Schneedruck absichern. Allerdings werden diese Policen nicht für Immobilien in Regionen angeboten, die extrem durch Überschwemmungen und Erdbeben gefährdet sind.
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