Digital-Gipfel

Lebenselixier Glasfaser

Soll Künstliche Intelligenz Ärzte im Versorgungsalltag unterstützen, führt an Glasfaser kein Weg vorbei, so Branchenexperten auf dem Daten-Gipfel der Regierung.

Veröffentlicht: 14.06.2017, 13:30 Uhr

MANNHEIM. Gesundheit 4.0, Präzisionsmedizin, Machine Learning, kognitive Assistenzsysteme, prädiktive Medizin, Outcomes based Medicine oder auch Telemedizin – all diese Schlagworte dominierten am Montag die Digital Health Conference 2017 des Branchenverbandes Bitkom, die unter dem Dach des Digital-Gipfels der Bundesregierung in den Räumen von Roche Diagnostics in Mannheim stattfand. Allen oben erwähnten Ansätzen liegen riesige Mengen an Gesundheits- und Wissenschaftsdaten zugrunde – Big Data. Um diese Datenberge schnell zu analysieren und das Ergebnis an jeden möglichen Ort der Bundesrepublik zu transportieren, bedarf es als Conditio sine qua non des flächendeckenden Ausbaus des Glasfaserkabelnetzes in Deutschland, das große Datenmengen in Lichtgeschwindigkeit transportiert, so die einhellige Meinung der jeweiligen Panelisten.

Hemmschuh Refinanzierung

Wie Sandra Hoyer, bei Telekom Healthcare Solutions Leiterin Consumer Health und Pharma, erläuterte, seien für den flächendeckenden Ausbau des Glasfaserkabelnetzes allein bis zu einer halben Billion Euro an Investitionskosten zu veranschlagen, die die Telekommunikationsdienstleister nicht bereit seien, sie alleine zu stemmen – und es auch nicht könnten. Die ungewisse Refinanzierung stelle sich somit als einer der größten Hemmschuhe beim Forcieren Big Data gestützter Medizin heraus, so Hoyer.

Großes Potenzial in puncto Digital Health sieht die Healthcare-ITBranche im Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) zur Unterstützung von Ärzten im Versorgungsalltag. Wie Professor Andreas Dengel, beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Leiter des Forschungsbereiches Smarte Daten und Wissensdienste hinwies, würden wöchentlich 200 neue wissenschaftliche Studien mit Relevanz für die ambulante und stationäre Versorgung publiziert – ein Klinikarzt zum Beispiel habe aber Untersuchungen zufolge gerade einmal 20 Minuten wöchentlich Zeit, sich über die Studien zu informieren. KI-Lösungen könnten hier, so Dengel, die Studien auswerten, sie wissenschaftlich kontextualisieren und Ärzten auf Anfrage schnell und präzise Unterstützung bei Diagnostik und Therapie gewähren – ein Ansatz, den IBM mit seiner Watson-Technologie derzeit bereits in der Onkologie verfolgt.

Wanka setzt auf Präzisionsmedizin

Bundesforschungsministerin Professor Johanna Wanka betonte in Mannheim, großes Potenzial in der Big Data basierten Präzisionsmedizin zu sehen – vor allem in der Onkologie. Ihr Ministerium habe dafür in den vergangenen vier Jahren 700 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestellt. (maw)

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