Altersvorsorge

Lebensversicherungs-Zins kann sich immer noch sehen lassen

Eine aktuelle Auswertung der Ablaufleistung von mehr als 3500 Policen zeigt: Lebensversicherungen halten meist nicht mehr, was sie versprechen. Verglichen mit anderen sicheren Anlageformen stehen sie aber immer noch recht gut da.

Von Friederike Krieger Veröffentlicht: 04.09.2019, 05:41 Uhr
Lebensversicherungs-Zins kann sich immer noch sehen lassen

Halb voll oder halb leer? Zu Euphorie geben Lebensversicherungen zwar schon lange keinen Anlass mehr – doch zu übertriebener Trübsal auch nicht.

© lassedesignen / stock.adobe.com

KÖLN. Wer eine Lebensversicherung hat, sollte regelmäßig einen Blick in die jährlichen Standmitteilungen werfen, um die Absicherung im Alter realistisch einschätzen zu können. Oft kommt weniger heraus, als der Anbieter ursprünglich in Aussicht gestellt hat.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Policenaufkäufers Partner in Life. „Seit der Finanzkrise sind die Ablaufprognosen in der Breite des Marktes massiv zurückgegangen“, so Firmenchef Dean Goff. Sein Unternehmen kauft Verträge von Kunden, die ihre Lebenspolicen loswerden wollen, führt sie weiter und kassiert am Laufzeitende die Auszahlung.

Deshalb verfügt Partner in Life über eine Fülle an Daten. Die Firma hat 3579 Verträge aus ihrem Bestand analysiert, die in den vergangenen Jahren ausgezahlt worden sind – und sie mit den Ablaufprognosen der Versicherer aus den Jahren 2004 bis 2012 verglichen. „80 Prozent der Verträge haben eine signifikante Reduktion erlebt“, sagt Goff. Insgesamt haben die Versicherer 5,5 Prozent oder 28,7 Millionen Euro weniger an Partner in Life ausgezahlt, als sie in Aussicht gestellt hatten.

Verzinsung am Boden

Bei den klassischen Lebensversicherungen, um die es hier geht, gibt es zwar eine garantierte Verzinsung, die Versicherer auf jeden Fall zahlen müssen. Bei Neuverträgen liegt sie derzeit bei mageren 0,9 Prozent des Sparbeitrags, bis Juli 2000 waren es noch satte vier Prozent.

Darüber hinaus beteiligen die Versicherer ihre Kunden an den Überschüssen, die sie erwirtschaften. Wenn die Versicherten bis zum Ende durchhalten, kommen noch ein Schlussüberschuss und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu. Diese Überschüsse sind aber nicht garantiert und werden jährlich aufs Neue gutgeschrieben.

Die Lebensversicherer liefern zu Vertragsbeginn und in ihren jährlichen Standmitteilungen Prognosen, wie hoch die Auszahlung inklusive der Überschüsse am Laufzeitende ausfallen könnte – schaffen es aber nicht immer, diese Versprechungen einzuhalten, wie die Studie von Partner in Life zeigt. „Die Prognosen stammen aus einer Zeit, in der die Versicherer noch relativ hohe Überschüsse erzielt und nicht mit einer so lange anhaltenden Niedrigzinsphase gerechnet haben“, sagt Goff.

Marktführer Allianz hat die Ablaufprognosen der Partner-in-Life-Studie zufolge mit minus 1,22 Prozent pro Jahr am stärksten abgesenkt, gefolgt von der Neue Leben (1,11 Prozent) und der Debeka (1,06 Prozent). Bei der Allianz erfolgte die Absenkung allerdings von einem hohen Niveau aus, weiß Branchenkenner Goff.

„Die Allianz hat zwar am stärksten gekürzt, hat aber auch die höchsten variablen Gewinnanteile in der Bilanz.“ Um abschätzen zu können, wie es um den eigenen Vertrag steht, sollten sich Kunden zusammen mit einem Experten die jährlichen Standmitteilungen anschauen. „Es ist dringend angeraten, zumindest in den letzten zehn Versicherungsjahren den Vertrag einem Versicherungsfachmann zur Analyse vorzulegen“, sagt Goff.

Das kann der Mitarbeiter einer Verbraucherzentrale sein, ein Versicherungsmakler oder ein Finanzberater. Auch Policenaufkäufer wie Partner in Life bieten diesen Service an.

Nicht übereilt kündigen

Trotz aller Kürzungen und obgleich die fetten Jahre erkennbar vorbei seien, lieferten die Lebensversicherungen aber noch immer eine vergleichsweise anständige Rendite Anstelle der 2010 prognostizierten Beitragsrendite von 4,69 Prozent waren es im Policen-Bestand von Partner in Life im Durchschnitt der vergangenen Jahre 3,74 Prozent.

Da die Firma sich beim Ankauf nur für besonders gute Policen interessiert, dürfte die Rendite beim durchschnittlichen Privatkunden vermutlich eher zwischen 2,8 Prozent und 3,2 Prozent betragen, schätzt Goff.

Aber auch das sei immer noch gut, verglichen mit anderen Anlageformen ähnlich hoher Sicherheit wie Festgeld, Tagesgeld oder einem Sparbrief. Kunden, die ihrer Police dennoch den Rücken kehren wollen, rät Goff von übereilter Kündigung ab.

Option Widerrufsrecht

Eine Alternative könne es sein, den Vertrag beitragsfrei zu stellen oder ihn an einen Aufkäufer abzutreten. Die Gesellschaften zahlen meist mehr als den Rückkaufswert, den Kunden bei Vertragskündigung erhalten würden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Rückabwicklung. Kunden, die ihre Verträge zwischen 1994 und 2007 nach dem sogenannten Policen-Modell abgeschlossen haben und nicht ausreichend über ihr Widerrufsrecht belehrt worden sind, können von diesem Recht auch heute noch Gebrauch machen.

Dann muss der Anbieter sie so stellen, als hätten sie die Lebensversicherung nie abgeschlossen. Das heißt, sie erhalten sowohl die eingezahlten Beiträge als auch die darauf anfallenden Zinsen zurück.

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