Sachsen

Leipziger Ärzte locken Medizintouristen

In Leipzig soll an historischem Ort eine Klinik für Medizin-Touristen vorrangig aus Osteuropa entstehen. Die Investitionssumme beläuft sich auf 18 Millionen Euro. Gründer sind eine Immobiliengesellschaft sowie mehrere Ärzte.

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LEIPZIG. In Leipzig soll eine Klinik mit einer für die Region einmaligen Spezialisierung entstehen. Im "Klinikum am Augustusplatz" sollen vornehmlich Patienten aus Osteuropa behandelt werden, aber auch zahlungskräftige Kranke aus anderen Ländern.

"Medizintourismus ist ein dynamischer Markt, daran wollen wir teilhaben", erklärte Jörg Zochert, Projektverantwortlicher bei der KSW GmbH, einem Leipziger Immobilieninvestor.

Die KSW wird an der Klinik mit 40 Prozent beteiligt sein - die restlichen Anteile sollen beteiligte Ärzte halten.

Rundum-um-Check in fünf Stunden

Die KSW erschließt gerade ein insgesamt fast 13.000 Quadratmeter großes Terrain am Augustusplatz, dem Zentrum Leipzigs.

Dazu gehört auch das historische Gebäude "Alte Post" - auf diesen knapp 5500 Quadratmetern Nutzfläche soll das Klinikum gebaut und 18 Millionen Euro investiert werden.

Arbeiten werden im Haus laut Zochert "Internisten aller Fachrichtungen", es gibt einen OP-Saal, das Behandlungsspektrum werde von der Gastroenterologie über Onkologie bis hin zur Kardiologie reichen.

Dies ermögliche "Rundum-Gesundheitschecks", ein weiterer Schwerpunkt der Klinik. In knapp fünf Stunden werden Patienten komplett untersucht, eine Privatleistung, die vor allem Unternehmen und Führungskräften ansprechen soll, "die keine Zeit haben, von Arzt zu Arzt zu rennen", so Zochert.

Die KSW ist bereits an mehreren Kliniken in Leipzig beteiligt, beim Medizintourismus gebe es bisher eine Lücke, so die Analyse.

"Vor allem Russen haben eine große Affinität zu Ostdeutschland", sagt Zochert, viele der bis jetzt beim Projekt eingestiegenen Ärzte behandelten seit Jahren Medizintouristen von dort.

Den Patienten sollen in der Klinik auch angeschlossene Ferienwohnungen für die ganze Familie angeboten werden. Außerdem ein Shuttle-Service.

Nützliche KV-Zulassung?

Trotzdem sei es keine "Luxusklinik", sagt Zochert. Er betont, dass alle Ärzte mit einer KV-Zulassung anfangen, "und zunächst zu 60 Prozent Kassenpatienten behandeln. Perspektivisch kann sich das natürlich verschieben."

Die KV-Zulassungen seien nützlich, so Zochert. So bekämen alle beteiligten Ärzte günstige Darlehen für Praxisgründung und -ausstattung. Da die Klinik einer Besitzgesellschaft gehört, an der sich die Ärzte beteiligen können, sinken die Finanzierungskosten.

Die Beteiligung sei allerdings freiwillig, alle Ärzte zahlten unabhängig davon eine Miete - die an die Teilhaber aber wieder zum Teil zurückfließt.

Auch an den Gewinnen der Appartementvermietung, des Shuttle-Services und anderer Dienstleistungen sind die Ärzte beteiligt.

Zehn von zwanzig Ärzten werden für die Klinik noch gesucht, "die Interessenten stehen Schlange, teilweise auch Chefärzte", so Zochert. Im November soll der Baubeginn sein, die Eröffnung ist dann für Ende 2016 geplant. (tt)

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