Arznei für Ältere

Liste hilft bei Bewertung

Die erste Positiv-/Negativliste zur Bewertung von Arzneimitteln für ältere Patienten (FORTA-Liste) ist soeben erschienen.

Veröffentlicht:
Zu viel des Guten?

Zu viel des Guten?

© Alexander Raths / istockphoto.com

HEIDELBERG. Die Positiv-/Negativliste zur Bewertung von Arzneimitteln für ältere Patienten ist im Internet ("Supplementary Material") zusammen mit der dazugehörigen Publikation zum ersten Mal frei zugänglich, teilt die Universität Heidelberg mit.

Die FORTA-Liste wurde mehrstufig, zuletzt von insgesamt 25 Experten, entwickelt, um die Arzneimitteltherapie älterer Patienten sicherer und effizienter zu gestalten.

Die Patienten leiden häufig unter zahlreichen Diagnosen, die alle unabhängig voneinander "leitliniengerecht" therapiert werden. Dies führt zu einer massiven Belastung mit Arzneimitteln (Polypharmazie) und ist häufig für schwere, zum Teil auch tödliche Nebenwirkungen verantwortlich.

Trotz dieser Vielzahl von Arzneimitteln, die gegeben werden, werden die optimalen Möglichkeiten der modernen Arzneimitteltherapie aber häufig nicht voll ausgeschöpft. Daher gibt es sowohl ein "zu viel" als auch ein "zu wenig" in der Arzneimitteltherapie älterer Patienten.

Genau dies adressiert diese erste Positiv/Negativliste, indem sie nicht nur auf Arzneimittel hinweist, die älteren Patienten nicht gegeben werden sollen, sondern auch klarstellt, welche Arzneimittel im Alter nachweislich nützlich und verträglich sind.

Insofern geht die Positiv-/Negativbewertung deutlich über die reine Negativbewertung wie z.B. in der Beers- oder PRISCUS-Liste hinaus; die Einführung der PRISCUS-Liste 2010 war ja von großem Medieninteresse begleitet.

Leider habe sich aber in der Vergangenheit gezeigt, dass die reine Negativbewertung zu einer relevanten Verbesserung der Patientenschicksale nicht ausreicht, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Mit diesem neuen Instrument erhält vor allem der Hausarzt eine Hilfe zur schnellen Orientierung, um in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit eine Verbesserung der Arzneitherapie, die ja häufig 15 Arzneimittel und mehr umfasst, zu erzielen.

Die FORTA-Liste hat bereits aufgrund ihrer Erstpublikation in Buchform vor allem bei niedergelassenen Ärzten für großes Interesse gesorgt; das zuerst 2010 erschienene Buch ist bereits in 3. Auflage erhältlich.

Erste klinische Untersuchungen zeigen einen positiven Effekt der Anwendung dieser Liste, z.B. auf die Sturzhäufigkeit älterer Patienten. Stürze sind ein besonderes Problem älterer Patienten und führen zu langen Krankheitsverläufen und oft sogar zum Tod; viele Arzneimittel, vor allen Dingen Psychopharmaka, können Stürze auslösen. Weitere klinische Untersuchungen laufen derzeit. (eb)

Die deutschsprachige Version der Positiv-/Negativliste erscheint demnächst unter: http://www.umm.uni-heidelberg.de/inst/phar/kpm/index.html

Mehr zum Thema

Telematikinfrastruktur

Konnektor in der Cloud als Praxis-Back-up

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Der Bundestag diskutiert darüber, ob eine Corona-Impfpflicht eingeführt werden soll. Die Öffentlichkeit spürt sehr wohl, dass die Politik im Nebel stochert.

© Jens Krick / picture alliance / Flashpic

Kommentar zur Corona-Impfpflicht

Die Debatte ist der Anreiz, nicht die Pflicht

Tendenz weiter nach oben: Mit bis zu 400.000 Infektionen durch Omikron pro Tag rechnen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler (l.).

© Wolfgang Kumm / dpa

Neue Testverordnung

PCR-Tests: Details zur Priorisierung kommen nächste Woche

Blick in den Wartebereich einer Notfallambulanz: Künftig sollen Patienten bereits vorab via Ersteinschätzung in den richtigen Versorgungsbereich vermittelt werden.

© Bernd Settnik / ZB / picture alliance

Neuer Reformvorschlag

Digitaler Tresen soll Notfallreform retten