Immo-Aktie

Lockruf des Betongolds

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank treibt immer mehr Anleger in dividendenstarke Branchenpapiere. Analysten erwarten weitere Kursgewinne.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Finden Anleger bei Immobilienaktien goldene Zeiten?

Finden Anleger bei Immobilienaktien goldene Zeiten?

© KB3 / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Immobilienaktien werden bei Profi- und Privatanlegern immer begehrter. "Im Mai verbuchten Papiere deutscher Branchenunternehmen Kursgewinne von durchschnittlich 5,13 Prozent", sagt Jeroen Vreeker, Analyst bei Global Property Research.

Der Boom bei den Immobilienaktien setzte Anfang vergangenen Jahres ein. Seither sind deren Kurse zum Teil um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Was Anleger in das Betongold lockt, seien "die Anfang 2015 begonnenen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank", sagt Karsten Junius, Chefökonom der Basler Bank J. Safra Sarasin. "Sie treiben seither Investoren immer stärker in dividendenstarke Immobilienwerte."

Sinkende Renditen bei Staatsanleihen

Seit dem vergangenen Jahr erwirbt die Notenbank pro Monat Staatsanleihen von Mitgliedsländern der Euro-Zone im Umfang von 60 Milliarden Euro. Als Folge sind die Renditen der staatlichen Schuldpapiere massiv geschrumpft.

Das soll Banken zwingen, nicht mehr in die Anleihen zu investieren, sondern günstige Kredite an die Realwirtschaft auszureichen, um die Konjunktur in den krisengeplagten Ländern der Währungszone wieder auf Trab zu bringen.

"Die von der Zentralbank ausgelöste Renditekompression bei den Staatsanleihen lässt Investoren seither die mit realen Sachwerten besicherten Immobilienaktien noch stärker in den Fokus nehmen", sagt Stefan Scharff, Analyst bei SRC Research in Frankfurt.

Während deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit nur noch 0,03 Prozent Rendite abwerfen oder sogar zeitweise unter die Null-Zins-Linie fallen, liegen Dividendenerträge börsennotierter Gewerbeimmobilienunternehmen bei rund 4,4 Prozent, die von Wohnungsgesellschaften bei knapp 3,4 Prozent.

Damit seien diese Papiere interessant für institutionelle Investoren wie Assekuranzen und Pensionskassen, die für Altverträge Renditen von bis zu vier Prozent erwirtschaften müssen.

Immobilienwerte gefragt

"Auch Privatanleger, die attraktive Renditen bei geringem Risiko erzielen wollen, greifen zu Immobilienwerten", sagt Dieter Thomaschowski, Inhaber des Analysehauses Thomaschowski Research & Advisory in Erkrath. Bislang seien Aktien von Wohnungsunternehmen besonders stark gefragt, weil die Wohnungsvermietung als krisensicheres Geschäft gelte.

"Deshalb sind die Notierungen dieser Gesellschaften stärker gestiegen als die von Gewerbeimmobiliengesellschaften", so Thomaschowski. "Spiegelbildlich ist die aus den Dividendenausschüttungen erzielbare Rendite der Wohnungsvermieter stärker zusammengeschmolzen."

Aktien von Gesellschaften von Gewerbeimmobilien hätten deshalb nun Nachholbedarf. "Profiinvestoren dürften nun in Papiere von Bestandhaltern von Büro- und Einzelhandelsimmobilien umschichten und deren Kurse in die Höhe treiben", sagt der Experte.

Die meisten Analysten erwarten weiter steigende Kurse der Branchenunternehmen. Sowohl für Gewerbeimmobilienbestandhalter wie Alstria, Deutsche Euroshop und Hamborner als auch für Wohnungskonzerne wie Deutsche Wohnen, LEG und Vonovia hagelt es Kaufempfehlungen von den Banken.

Denn die Gesellschaften profitieren ebenfalls von den Anleihekäufen der EZB und dem auf null Prozent gesenkten Leitzins. "Immobilienunternehmen können auslaufende Kredite jetzt so günstig refinanzieren wie nie zuvor", so Georg Kanders, Analyst beim Bankhaus Lampe in Düsseldorf.

Fonds als Anlageoption

Anleger, die nicht auf Einzeltitel setzen wollen, können zu Fonds greifen wie dem Axa WF Global Real Estate, dem E&G Global Reit oder dem JSS Real Estate Global. Zwar investieren Immobilienaktienfonds nicht allein in deutsche, sondern weltweit in Branchenpapiere.

Sie wollen so das Kapital ihrer Anleger breit streuen und Risiken minimieren.

Damit haben sie in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 5,2 Prozent gewonnen. Um den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent zu sparen, können Anteile direkt an der Börse erworben werden.

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