Thromboseprophylaxe

Medikation senkt bei Krebspatienten Risiko für Venenthrombosen

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Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE). VTE wurden in Untersuchungen als zweithäufigste zum Tode der Patienten führende Komplikation identifiziert. Ursächlich für das Auftreten von VTE ist eine komplexe Interaktion zwischen Tumorerkrankung und Hämostase, die im Zusammenwirken mit patientenspezifischen dispositionellen und expositionellen Risikofaktoren zur Manifestation einer Venenthrombose führt. Das VTE-Risiko eines Krebspatienten hängt  auch von malignomassoziierten Faktoren ab wie zum Beispiel Tumorart, Tumorstadium und Krebstherapie.

Tiefe Venenthrombose im rechten Bein mit deutlich sichtbaren Zeichen: Schwellung und Verfärbung.

Tiefe Venenthrombose im rechten Bein mit deutlich sichtbaren Zeichen: Schwellung und Verfärbung.

© Thrombose-Initiative

Das perioperative VTE-Risiko von Tumorpatienten ist im Vergleich zu ähnlich umfangreichen operativen Eingriffen bei Nichttumorpatienten deutlich erhöht. Darauf weist Professor Hanno Riess von der Universitätsmedizin Berlin, Charité Campus Virchow Klinikum, in seinem CME-Beitrag zur Thromboseprophylaxe und -therapie bei Tumorpatienten hin. Trotz routinemäßiger Prophylaxe (physikalische und sieben- bis zehntägige medikamentöse Maßnahmen) fanden sich in Studien bei abdominalchirurgischen Tumoroperationen objektivierte VTE-Inzidenzen von 10 bis 20 Prozent. Eine klinisch relevante Reduktion der Ereignisrate wurde durch die Anwendung von Fondaparinux sowie durch die prolongierte Fortführung der medikamentösen Hochrisikoprophylaxe erreicht. Daher wird in der aktuellen AWMF-Leitlinie (2009) empfohlen, die venöse Thromboembolieprophylaxe bei Tumorpatienten nach größeren Abdominaloperationen prolongiert (in der Regel für vier bis fünf Wochen) durchzuführen.

Auch stationär behandelte nichtchirurgische Tumorpatienten haben ein hohes Risiko für venöse Thromboembolien. Nichtchirurgische tumorspezifische Therapien verstärken das bestehende VTE-Risiko. In erfolgreichen Studien zur medikamentösen VTE-Prophylaxe bei internistischen Krankenhauspatienten waren auch Tumorpatienten (etwa 5 bis 15 Prozent) mit einbezogen. Und in Subgruppenanalysen wurde die (statistisch nichtsignifikante) Wirksamkeit der prophylaktischen Antikoagulation mit niedermolekularen Heparinen oder Fondaparinux nachgewiesen. Auf dieser Grundlage wird empfohlen, grundsätzlich bei allen stationären Patienten mit Krebserkrankungen eine medikamentöse Hochrisikoprophylaxe unter Berücksichtigung der Kontraindikationen vorzunehmen.

Sowohl zur zeitlich limitierten als auch zur prolongierten Prophylaxe und zur mehrmonatigen Antikoagulation im therapeutischen Bereich bei Patienten mit manifester VTE haben sich niedermolekulare Heparine - bei Beachtung der Kontraindikationen sowie der präparatespezifischen Dosierungsempfehlungen und der Zulassungssituation - als wirksame und sichere Therapien etabliert. Die Ergebnisse der CLOT-Studie mit Dalteparin und weitere Studiendaten führten zur Empfehlung, bei Malignompatienten mit akuten venösen Thromboembolien primär und prolongiert für drei bis sechs Monate mit niedermolekularen Heparinen und nicht mit Vitamin-K-Antagonisten zu behandeln.

Ein eigenständiger Antitumoreffekt von Antikoagulanzien wird seit Langem diskutiert, bleibt aber spekulativ und wird weiter in Studien untersucht. (ikr)

Nur für Ärzte: Zu dem Modul "Thromboseprophylaxe und -therapie bei Tumorpatienten"

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