Patienten häufigste Täter
Medizinstudierende erleben sexuelle Belästigung vor allem im PJ
42 Prozent der Medizinstudierenden erleben sexuelle Belästigung. Vor allem im Praktischen Jahr ist die Gefahr, verbale oder nonverbale Übergriffe zu erleben, offenbar groß. In Klinik und Praxis benehmen sich vor allem Patienten daneben.
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Vor allem Frauen werden im PJ Opfer von Belästigungen.
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Würzburg. Sexuelle Belästigung ist auch im Medizinstudium ein immer noch weitverbreites Problem. Vor allem im Praktischen Jahr berichten angehende Ärztinnen und Ärzte von entsprechenden Fehlverhalten. Besonders betroffen sind Frauen. Besonders übergriffig sind in Klinik und Praxis Patienten.
Diese Erkenntnisse basieren auf einer anonymen Online-Umfrage, die 2024 unter rund 5.700 Studierenden an 44 Medizinischen Fakultäten vorgenommen wurde.
Anlass ist eine Querschnittstudie, mit der Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie am Uniklinikum Würzburg, gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden sowie in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland untersucht hat (BMC Med Educ 26, 558 (2026).
Besonders betroffen waren Frauen
Die Auswertung ergab, dass 49 Prozent der Umfrageteilnehmer sexuelle Belästigung bei anderen schon einmal beobachtet haben. 42 Prozent gaben an, selbst im Laufe des Studiums mindestens einmal sexuell belästigt worden zu sein. Jede zweite betroffene Person berichtete, mehr als dreimal im Jahr Übergriffe erlebt zu haben.
Eine weitere Erkenntnis: Die Gefahr, sexuell belästigt zu werden, steigt mit zunehmender Studiendauer. Während der Anteil der Betroffenen in den frühen Studienphasen bei knapp 30 Prozent (Vorklinik) und 47 Prozent (Klinik) lag, gaben im Praktischen Jahr (PJ) bereits 66 Prozent der Studierenden an, Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht zu haben.
Besonders betroffen waren Frauen: Drei von vier Studentinnen im PJ berichteten von verbalen oder nonverbalen Übergriffen.
Fehlverhalten auch von Kommilitonen
In Klinik und Praxis waren Patienten/Patientinnen die Haupttäter (93 Prozent), gefolgt von Fachärzten (64 Prozent) und Chefärzten (52 Prozent). An der Uni ging die sexuelle Belästigung vor allem von Kommilitoninnen und Kommilitonen aus (69 Prozent) sowie von Professoren und Professorinnen (rund 54 Prozent).
46 Prozent der Befragten gaben an, dass die Erfahrungen ihre Fachwahl beeinflusst haben. Laut der Studie wies die Chirurgie die höchste „Belästigungsrate“ auf, auf den Plätzen zwei und drei rangierten Innere Medizin und Allgemeinmedizin.
Die Mehrheit der Vorfälle wurde nicht gemeldet – unter anderem aus Angst vor negativen Konsequenzen, aufgrund von Abhängigkeiten von Vorgesetzten und Unsicherheit bei der Einschätzung des Erlebten. (eb)
Die Ergebnisse der Studie sind auf der Website https://medtoo.de zusammengefasst.







