Nach Cyber-Attacken

Mehr Sicherheit per IT-Gesetz?

Nach den jüngsten weltweiten Cyber-Attacken u.a. auf das britische Gesundheitssystem fordert der Bundesminister für digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, eine Verschärfung des IT-Sicherheitsgesetzes. Sind auch deutsche Ärzte oder Kliniken betroffen?

Veröffentlicht:
Ärzte, die noch mit dem veralteten Windodws XP-System arbeiten, sind besonders für Virenattacken gefährdet.

Ärzte, die noch mit dem veralteten Windodws XP-System arbeiten, sind besonders für Virenattacken gefährdet.

© ArchMen / Fotolia

BERLIN/MÜNCHEN. Die Charité in Berlin meldet, derzeit nicht von einem Cyber-Angriff betroffen zu sein. Gleichwohl gebe es technische Überprüfungen sowie schneller Updates, sagte Pressesprecher Uwe Dolderer am Montag der „Ärzte Zeitung“. Alle Mitarbeiter würden für einen umsichtigen Umgang mit Emails sensibilisiert. Europas größtes Klinikum stockt zudem Personal in den Abteilungen IT-Sicherheit und Datenschutz auf. „Einen absoluten Schutz wird es nicht geben, dennoch unternimmt die Charité alles Notwendige um die Risiken zu minimieren und im Schadensfall gerüstet zu sein“, sagte Dolderer. Bei Vivantes und den Helios-Kliniken liefen alle Systeme einwandfrei, hieß es in der Berliner Zeitung.

Auch an anderen Kliniken wurden nach Recherchen der "Ärzte Zeitung" die Mitarbeiter heute durch interne Schreiben für das Thema IT-Sicherheit sensibilisiert.

Veraltete Systeme in deutschen Praxen

In Großbritannien hatte die Cyber-Attacke am Wochenende vor allem Kliniken und Arztpraxen des NHS getroffen. In Deutschland war nach bisherigen Veröffentlichungen vor allem die Deutsche Bahn Ziel des Angriffs.

Prinzipiell könnten auch deutsche Arztpraxen durchaus von dem Cyber-Angriff betroffen sein: Denn noch immer scheint es Praxen zu geben, deren EDV-System unter dem veralteten Betriebssystem Windows XP läuft, das von dem Erpressungstrojaner offenbar besonders betroffen ist. Das erfuhr die "Ärzte Zeitung" am Rande des E-Health-Forums in Freiburg in Gesprächen mit Praxis-EDV-Insidern.

Hintergrund: Für Windows XP liefert der Hersteller Microsoft bereits seit drei Jahren keine Sicherheits-Updates mehr. Die Gefahr für jegliche Virenattacken war daher besonders hoch. Nach den jüngsten Vorkommnissen hat Microsoft nun allerdings doch nochmals ein Update für XP mit einem Sicherheits-Patch nachgelegt.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" bis Montagmittag jedoch noch keine offiziellen Informationen, dass auch Arztpraxen von dem aktuellen Erpresservirus "WannaCry" lahmgelegt worden sein könnten.

Forderung nach Meldepflicht

Die IT-Sicherheit sei nur gewährleistet, wenn die Bedrohungslage ständig beobachtet und die Sicherheitsarchitektur ständig weiterentwickelt werden, so Alexander Dobrindt in der "Passauer Neuen Presse" vom Montag. Dabei sei wichtig, dass bei IT-Störungen zwingend die Ereignisse an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gemeldet werden, um daraus Schlüsse zu ziehen und im Zweifel Gegenmaßnahmen zu entwickeln. "Dazu müssen im IT-Sicherheitsgesetz die Vorkehrungen getroffen werden", sagte der CSU-Politiker. Für Deutschland sei der Schutz der kritischen Infrastrukturen mittlerweile "zu einer existenziellen Frage geworden". (ger/af/dpa)

Lesen Sie dazu auch: IT-Experte: So schützen Sie Ihren PC

Lesen Sie dazu auch: "WannaCry"-Virus: Cyber-Attacke auf britische Kliniken und Hausärzte

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Schüler auf dem Gang vor dem Lehrerzimmer. Gilt für Personal in Kitas, Schulen und Krankenhäusern bald eine Impfpflicht? Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, ist dafür.

© Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB/

In Kitas, Schulen und Kliniken

Pädiater für COVID-Impfpflicht bei einigen Berufen

Präsenz im Haushalt rund um die Uhr könnte teuer werden, wie eine aktuelle Urteilsbegründung des Bundesarbeitsgerichtes nahelegt.

© Marcel Kusch / dpa / picture alliance

Urteilsbegründung

Rund-um-die-Uhr-Pflege? Dann gibt es auch Lohn für 24 Stunden