Praxisführung

Mehr Umsatz in der Gemeinschaftspraxis

Der Vergleich von Einzel- und Gemeinschaftspraxen ist kompliziert. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung hat es dennoch versucht. Das Ergebnis ist eindeutig. Die Kooperationen machen mehr Umsatz und investieren mehr.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Gemeinsame Befundung: Im Team zu arbeiten bringt nicht nur medizinische Vorteile. Es ist auch effizient.

Gemeinsame Befundung: Im Team zu arbeiten bringt nicht nur medizinische Vorteile. Es ist auch effizient.

© nyul / fotolia.com

BERLIN. Die Praxiswelt erlebt eine leise Erschütterung. Gemeinschaftspraxen erzielen deutlich höhere Überschüsse als Einzelpraxen. Sie investieren mehr und beschäftigen - dies zwangsläufig - mehr Personal.

Nimmt man die aktuellen Zahlen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) zur wirtschaftlichen Situation der Arztpraxen in Deutschland als repräsentativ, machen Gemeinschaftspraxen ein knappes Fünftel aller Praxen aus.

Dieses Verhältnis entspricht auch dem des Bundesarztregisters. Das Zentralinstitut hat die Einnahmen und die Überschüsse der Jahre 2006 bis 2008 von 4172 Praxen beleuchtet. Davon waren 798 Gemeinschaftspraxen.

Verglichen hat das Zentralinstitut die Einnahmen und Überschüsse der Praxisinhaber. In den Jahren 2006 bis 2008 stieg demnach der Praxisüberschuss je Inhaber einer Gemeinschaftspraxis um 14 Prozent. Dieser Wert liegt über dem der Inhaber von Einzelpraxen, die es in diesem Zeitraum auf plus 8,7 Prozent brachten.

In absoluten Zahlen bedeutete dies ein Anwachsen des Überschusses von gut 99.500 Euro im Jahr 2006 auf rund 113.500 im Jahr 2008.

Die Inhaber von Gemeinschaftspraxen verzeichneten 2006 gemittelte Überschüsse von rund 121.000 Euro. Zwei Jahre später blieben nach Abzug der Kosten gut 138.000 Euro übrig.

Die Investitionen entwickeln sich bei den Gemeinschaftspraxen dynamischer. In den Einzelpraxen blieben sie im Beobachtungszeitraum nahezu konstant, Tendenz leicht rückläufig. In den Gemeinschaftspraxen ergaben sich Zuwächse bei den Aufwendungen von 7,6 Prozent.

Eins zu eins vergleichbar sind die wirtschaftlichen Verhältnisse von Einzel- und Gemeinschaftspraxen nicht. "Einzel- und Gemeinschaftspraxen unterscheiden sich bei den Fachgruppen", sagte der Geschäftsführer des Zentralinstituts Dr. Dominik von Stillfried der "Ärzte Zeitung".

Sind Gemeinschaftspraxen effizienter?

Fachärztliche und fachgruppenübergreifende Gemeinschaftspraxen hätten naturgemäß einen höheren Investitionsbedarf. Aus den vorliegenden Daten dürfe man nicht schließen, Einzelpraxen hätten grundsätzlich niedrigere Kosten als Gemeinschaftspraxen.

Ein Beispiel bilden die Allgemeinmediziner. Ein Feld, auf dem, so von Stillfried, "Äpfel mit Äpfeln" verglichen werden könnten. Ein einzelner Hausarzt nimmt laut der ZI-Untersuchung 230.414 Euro im Jahr ein. Sein Kollege, der Inhaber einer Gemeinschaftspraxis, kommt demnach auf 231.537 Euro.

Der Unterschied ist marginal. Bei den Kosten sieht es anders aus. Der Einzelkämpfer gibt 120.326 Euro aus, der Inhaber der Gemeinschaftspraxis 112.217 Euro.

Daraus lasse sich eventuell ein Effizienzeffekt der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis ablesen, sagt von Stillfried.

Sowohl bei den Gemeinschafts- als auch bei den Einzelpraxen beobachten die ZI-Wissenschaftler, dass sich die Ärzte bei Investitionen zurückhalten. "Das Niveau von vor 2006 wird nicht mehr erreicht", sagt von Stillfried.

Es gebe Anzeichen für einen sich aufbauenden Investitionsstau. Dafür, dass der Beobachtungszeitraum in einen natürlichen Investitionszyklus gefallen sei, gebe es keine Hinweise.

Aus den ausgewerteten Abschreibungen und den Einschätzungen der Ärzte schließe das Zentralinstitut auf einen offenen Investitionsbedarf in den Praxen niedergelassener Ärzte von rund 20 Prozent eines durchschnittlichen Praxiswerts bei Übernahme.

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler sieht die Praxen daher unterfinanziert. Zum Ausgleich bräuchten die niedergelassenen Ärzte 2013 rund 3,5 Milliarden Euro mehr.

Unterschiede Einzel- und Gemeinschaftspraxen

Einnahmen, Aufwendungen, Jahresüberschuss EP+GP je Praxisinhaber*
2006 2007 2008
EP GP EP GP EP GP
Gesamteinnahmen

darunter:
Einnahmen aus GKV Praxis
217,0

169,3
264,6

205,1
224,0
3,3%
173,9
2,7%
278,2
5,1%
215,2
4,9%
230,2
2,7%
179,2
3,0%
293,0
5,3%
224,8
4,4%
Aufwendungen ges. 117,5 143,7 117,8
0,3%
149,4
4,0%
116,7
-1,0%
154,6
3,4%
Jahresüberschuss 99,5 121,0 106,2
6,7%
128,7
6,4%
113,5
6,9%
138,4
7,5%
* je in 1000 Euro sowie Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Quelle: www.zi.de, Tabelle: Ärzte Zeitung
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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Jürgen Schmidt

Und was will uns der Dichter damit sagen ?

Mal wieder eine Statistik, die mehr Fragen aufgibt als Ergebnisse liefert.

Einerseits wird deutlich, dass die niedergelassenen Ärzte nach wie vor gerne in die Qualität Ihrer Ausstattung und Arbeit investieren, wenn genügend Einkommen vorhanden ist, andererseits bleibt die Frage unbeantwortet, ob der Einkommenszuwachs im Verlauf einiger Jahre inflationsbereinigt wirklich ausreichend war. Gemeint ist hier nicht die Inflationsrate der Lebenshaltungskosten, sondern die Inflation der Anlagegüter, speziell in einer Arztpraxis.

Parallel müsste versucht werden, den Leistungszuwachs in Abhängigkeit von den Investitionen zu betrachten. Schließlich ist der nominale Leistungszuwachs auch in Beziehung zur Produktivität zu setzen, d.h der Anstieg von Leistungsmengen muss mit dem gesundheitlichen output verglichen werden.
Solche Untersuchungen sind in der Industrie - wo sie zugegebenermaßen einfacher zu erstellen sind - gang und gäbe und längst verlangt die Gesundheitsökonomie nach entsprechenden Studien in der medizinischen Versorgung.

Statistiken, wie die vorliegende des ZI, stellen einen gewissen Tätigkeitsnachweis dar, anfangen kann man damit wenig.


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