Geldanlage

Metamorphose: Aus Anleihen werden Aktien fürs Depot

Wandelanleihen bieten Chancen auf deutlich höhere Renditen als klassische Schuldverschreibungen. Denn Anleger erhalten nicht nur Zinsen, sondern profitieren zusätzlich, wenn der Börsenkurs der emittierenden Konzerne zulegt.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 21.12.2019, 15:47 Uhr
Metamorphose: Aus Anleihen werden Aktien fürs Depot

Wichtig bei Wandelanleihen: der Kurs zum Stichtag der Fälligkeit. © phongphan5922/stock.adobe.com

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Neu-Isenburg. Mit Anleihen können Anleger seit Jahren kaum noch verdienen. Weil die Europäische Zentralbank Schuldverschreibungen von Regierungen und Unternehmen aufkauft, wirft mehr als die Hälfte der Papiere keine Rendite mehr ab. Anders sieht dies bei Wandelanleihen aus, wie eine neue Studie der Berliner Ratingagentur Scope zeigt.

„Wandelanleihen bieten ein attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis“, sagt Scope-Analyst Martin Fechtner. „In den vergangenen zehn Jahren haben Wandelanleihen-Fonds eine durchschnittliche Jahresrendite von 5,9 Prozent erzielt.“ Damit schnitten die Investmentvehikel deutlich besser ab, als Rentenfonds, die das Geld ihrer Kunden ausschließlich in klassischen Anleihe anlegen, mit denen kaum noch etwas zu verdienen ist. Hingegen konnten Wandelanleihen-Fonds nicht mit Aktienfonds mithalten, die seit 2009 im Schnitt einen jährliche Gewinn von 9,2 Prozent für ihre Investoren einfuhren.

Dafür ist das Verlustrisiko bei Wandelanleihen geringer, weil Anleger am Ende der Laufzeit in der Regel ihr investiertes Kapital zurückerhalten, während bei Aktien Kursverluste nie auszuschließen sind.

Nicht ohne Verlustrisiko

„Wandelanleihen können zu einem bestimmten, vorher festgelegten Wandelpreis in eine fixe Anzahl von Aktien umgetauscht werden“, erläutert Fechtner. Ein Beispiel macht das Prinzip deutlich: Ein börsennotiertes Unternehmen begibt eine Wandelanleihe mit einer Stückelung von 10.000 Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent und einer Laufzeit von drei Jahren. Zum Zeitpunkt der Emission der Wandelanleihe notieren die Aktien der Gesellschaft bei 90 Euro.

Erreicht der Aktienkurs während der Laufzeit die Schwelle von 110 Euro, kann der Inhaber eines solchen Wandelanleihe-Anteils das Papier gegen 100 Aktien tauschen. Da er zuvor 10.000 Euro in die Wandelanleihe investiert hat, würde er somit die Aktien zu einem Preis von nur 100 Euro pro Stück erwerben – und einen Gewinn von zehn Prozent erzielen, wenn er die Aktien umgehend an der Börse verkauft.

Zudem hat der Anleger bis zu diesem Zeitpunkt jedes Jahr die Zinsrendite von einem Prozent erhalten. „Laufen die Aktienmärkte gut, offerieren Wandelanleihen eine attraktive Chance auf Mehrrendite im Vergleich zu klassischen Anleihen“, sagt Thilo Stadler, Anlageexperte bei der Vermögensberatung ICM Independent Capital Management in Mannheim.

Wandelanleihen bieten ein attraktives Rendite-Risiko- Verhältnis.

Martin Fechtner,

Analyst der Berliner Ratingagentur Scope

Steigt der Aktienkurs in den drei Jahren hingegen nicht bis auf 110 Euro, erhält der Inhaber des Anteils am Ende der Laufzeit seine 10.000 Euro zurück und hat jedes Jahr die Zinsrendite von einem Prozent vereinnahmt. Das Risiko: Geht das Unternehmen insolvent, werden Inhaber von Wandelanleihen wie andere Gläubiger aus der Konkursmasse bedient. Das kann zu hohen Verlusten führen.

„Deshalb sollten Anleger nicht in Wandelanleihen obskurer kleiner Unternehmen, sondern nur in Papiere kapitalkräftiger Konzerne aus führenden Indices wie dem Dax oder MDax investieren“, rät Stefan Loipfinger, Inhaber des Finanz-Informationsdienstes Investmentcheck.de.

Den Unternehmen bieten Wandelanleihen den Vorteil, sich leichter Geld am Kapitalmarkt besorgen zu können. Die Chance auf zusätzliche Rendite durch einen Anstieg des Aktienkurses machen Wandelanleihen für Investoren deutlich attraktiver als herkömmliche Schuldverschreibungen, die kaum noch Rendite abwerfen.

Fonds schonen die Nerven

Den Anlegern wiederum offerieren Wandelanleihen großer kapitalkräftiger Konzerne „einen Schutz im Fall einer Korrektur an den Aktienmärkten“, so Stadler. Die Investoren erhalten in jedem Fall die Zinsen und bekommen ihr investiertes Kapital am Ende der Laufzeit zurück.

Um ihre Renditechancen zu steigern und Risiken weiter zu reduzieren, sollten Anlegern nicht in einzelne Wandelanleihen investieren, sondern in Fonds, die das Kapital breit über Papiere diverser Firmen streuen. Dabei könnten Anleger inzwischen über Fonds auch gezielt auf Papiere nachhaltig agierender Unternehmen setzen. Fechtner: „Führende Anbieter von Wandelanleihenfonds wie Fisch Asset Management oder Union Investment haben mittlerweile Fonds im Angebot, die Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen.“

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