100 Patienten getötet

Niels H. gesteht Morde vor Gericht

Der Ex-Pfleger Niels H. ist wegen der wohl größten Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte angeklagt. Gleich zum Prozessstart gibt es ein Geständnis.

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Der wegen vielfachen Mordes Angeklagte Niels H. im Gerichtssaal in den Weser-Ems-Hallen statt. Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 100 Patienten an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt.

Der wegen vielfachen Mordes Angeklagte Niels H. im Gerichtssaal in den Weser-Ems-Hallen statt. Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 100 Patienten an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt.

© Julian Stratenschulte/dpa

OLDENBURG. Der bereits zu einer lebenslangen Haft verurteilte Ex-Krankenpfleger Niels H. hat in einem neuen Prozess um den Mord an 100 Patienten ein Geständnis abgelegt.

Am ersten Prozesstag räumte er vor dem Landgericht Oldenburg am Dienstag Vorwürfe ein, ohne dass die Landgerichtskammer konkret auf einzelne Fälle einging.

Die allgemein gestellte Frage von Richter Sebastian Bührmann, ob die 100 Vorwürfe vom Missbrauch an Patienten bis zur Todesfolge größtenteils zuträfen, beantwortete H. mit „Ja“. Die Verhandlung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer.

Der bereits wegen anderer Fälle im Jahr 2015 zu lebenslanger Haft verurteilte 41-Jährige soll von 2000 bis 2005 an zwei Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben.

Die Taten seien aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann. Der neue Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger wurde wegen der großen Zahl an Prozessbeteiligten in eine Kongresshalle verlegt.

Zum Auftakt des ersten Verhandlungstages bat Richter Bührmann alle Anwesenden, zu der Schweigeminute aufzustehen. „Alle ihre Angehörigen haben es verdient, dass man ihnen in Ehren gedenkt“, sagte Bührmann. Das sei unabhängig davon, ob H. etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht.

„Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen“, versprach Bührmann. An H. gerichtet, sagte er: „Ich werde mit Ihnen fair verhandeln, ich werde mit Ihnen offen verhandeln in guten Sachen wie in schlechten Dingen“.

Wohl nie wieder auf freiem Fuß

Die Staatsanwältin ging in ihrer rund eineinhalbstündigen Anklageverlesung auf jeden der 100 Fälle ein. H. wurde vor drei Jahren schon wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation zur Höchststrafe lebenslänglich verurteilt.

Dabei wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Daran wird auch der aktuelle Prozess nichts ändern. Allerdings könnte das Urteil Folgen haben, wann und ob er überhaupt jemals wieder auf freien Fuß kommt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft injizierte H. seinen Opfern ein Medikament mit tödlichen Nebenwirkungen. Anschließend versuchte er, die Patienten wiederzubeleben – was in vielen Fällen misslang. Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen. Der Prozess ist komplex und aufwändig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und elf toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige.

„Wir haben vier Jahre für diesen Prozess gekämpft und erwarten, dass H. wegen weiterer 100 Morde verurteilt wird“, sagte Christian Marbach, der Sprecher der Angehörigen. Sein Großvater war von H. getötet worden. „Das Ziel ist, dass H. so lange wie möglich in Haft bleibt.“ Am Dienstag erschienen nicht alle der über 120 Nebenkläger. In den reservierten Platzreihen blieben viele Stühle leer. Insgesamt ist der Prozess bis Mai 2019 terminiert. Seine Haft sitzt H. in der JVA in Oldenburg ab. (dpa)

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