Direkt zum Inhaltsbereich

Klinikmanager unter Druck

Orientierungswert wird zum Damoklesschwert

Die Kostensteigerungen in den Kliniken sind selten kongruent mit dem Orientierungswert. Weichen sie nach oben ab, muss im Zweifelsfall gespart werden. Klinikmanager befinden sich im Zwiespalt von Leistungssteigerung und Kostensenkung.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Auf manchem Klinikflur wird über Rotstifte diskutiert.

Auf manchem Klinikflur wird über Rotstifte diskutiert.

© VILevi / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Fachkräftemangel hin, Fachkräftemangel her - wenn in Kliniken die Kosten aus dem Ruder laufen, sehen Krankenhausmanager das Personal als größte Stellschraube an, um die Ausgaben zu reduzieren.

Knapp sechs von zehn Klinikmanagern würden mit einem Einstellungsstopp reagieren, um Kostensteigerungen zu begrenzen. Das geht aus einer nicht repräsentativen, aber aussagekräftigen Blitzumfrage der Kölner Unternehmensberatung Inverto hervor.

Insgesamt 45 Entscheider in deutschen Krankenhäusern wurden zwischen Mitte Dezember 2012 und Mitte Januar dieses Jahres dahingehend befragt, ob der vom Statistischen Bundesamt festgestellte Orientierungswert von zwei Prozent die tatsächliche Kostenentwicklung in den Krankenhäusern abbildet.

Der Orientierungswert hat erstmals für das Jahr 2013 die Berechnung der Kostensteigerungen in Kliniken anhand der Grundlohnrate abgelöst.

Seine Höhe gibt den Kassen vor, um wie viel Prozent sie im nächsten Jahr ihre Ausgaben für Kliniken steigern müssen. Gefragt wurde dafür auch nach der Entwicklung von Sach- und Personalkosten sowie nach geplanten Maßnahmen zur Dämpfung von Kostensteigerungen.

80 Prozent klagen über höhere Kosten

Für die große Mehrheit der befragten Klinikmanager stellt der Orientierungswert eine echte Management-Herausforderung dar. Denn die ausgewiesenen zwei Prozent sind bei Weitem nicht kongruent mit der tatsächlichen Kostenentwicklung im eigenen Haus.

So gaben 49 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass die Kostensteigerung in ihrer jeweiligen Klinik zwischen zwei und fünf Prozent gelegen habe. 31 Prozent taxieren zwischen fünf und zehn Prozent höhere Kosten.

Dass der Orientierungswert deckungsgleich mit dem tatsächlichen Kostenanstieg gewesen sei, attestierten lediglich zwei Prozent der Umfrageteilnehmer, 18 Prozent bezifferten die gestiegenen Kosten auf ein Niveau unterhalb des Orientierungswertes.

Dass 58 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Einstellungsstopp - wahrscheinlich würde es vor allem Ärzte treffen - auf eine Kostensteigerung reagieren würden, verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass 96 Prozent die größten Steigerungen bei Personalkosten in den Kliniken beim Ärztlichen Dienst verorten, gefolgt, aber mit 58 Prozent deutlich abgeschlagen, vom Pflegedienst sowie dem medizinisch-technischen Dienst mit 22 Prozent.

Einsparpotenzial auch bei Sachkosten

Mit 56 Prozent an zweiter Stelle stehen bereits die Sachkosten, wenn es für die Klinikmanager um Einsparpotenzial in ihrem Hause geht. Die Stichworte lauten hier Produktstandardisierung oder Sortimentsbereinigung.

Auch das erscheint naheliegend, geben doch 78 Prozent der Umfrageteilnehmer an, sie rechneten auf der Ebene der Sachkosten neben dem Bereich Wasser, Energie und Brennstoffe beim medizinischen Bedarf mit den größten Steigerungen.

Deutlich abgeschlagen rangieren hier die Posten Lebensmittel und bezogene Leistungen sowie Instandhaltung mit je 33 Prozent auf den Plätzen drei und vier.

Die Klinikmanager wollen sich jedoch nicht automatisch nur auf Sparkurs begeben, wenn die Mehrkosten Gefahr laufen, mit dem Kassenplus nicht mehr gedeckt werden zu können. So spielen 51 Prozent der Umfrageteilnehmer auch mit dem Gedanken der Erlösverbesserung durch eine Leistungserweiterung, sprich der Fallzahlsteigerung.

Ebenso viele ziehen Optimierungen in den Bereichen Prozesse oder OP-Management in Betracht. 49 Prozent würden Investitionen verschieben, um Kostenblöcke zu reduzieren. Budgetkürzungen sind indes nur für 40 Prozent eine Spar-Option.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kliniken in der Zwickmühle

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Druck auf Personalbestand

Studie: Warkens GKV-Gesetz bringt Krankenhäuser in Konkursgefahr

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Von DiGA bis Chatbot

Wie KI hilft, die rheumatologische Versorgung zu verbessern

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte