Klinik-Management

Patient mit Hakenkreuz am Arm: Jüdischer Arzt verweigert Op

Ein jüdischer Arzt weigerte sich, einem Mann mit Hakenkreuz-Tattoo die Schilddrüse zu entfernen. Das durfte er auch, sagt die Ärztekammer.

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KÖLN (iss). Im katholischen Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn hat sich ein jüdischer Arzt geweigert, einen Mann zu operieren, der ein großes Hakenkreuz auf dem Oberarm eintätowiert hatte.

Der 36-Jährige lag bereits in der Narkose, ihm sollte die Schilddrüse entfernt werden. Der Mediziner informierte die Ehefrau, dass es ihm unmöglich sei, ihren Mann zu operieren. Die Chefärztin des Krankenhauses übernahm den Eingriff.

Die empörte Ehefrau setzte offenbar die "Bild-Zeitung" von dem Fall in Kenntnis, das "Westfalen-Blatt" nahm die Sache dann auf.

"Bei uns ist bislang keine Beschwerde eingegangen", sagt der Sprecher des Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) Volker Heiliger. Er bezeichnete den Vorgang als außergewöhnlich. Die Kammer müsse in solchen Fällen prüfen, ob sich der Arzt einer Berufsrechtsverletzung schuldig gemacht habe.

Eine solche sieht die Rechtsabteilung der ÄKWL in diesem Fall nicht. Zwar müssten Ärzte in der Regel ohne Ansehen der Person helfen. Es könnten aber "schwer wiegende Rechtfertigungsgründe" vorliegen, die dem Arzt ein Abweichen von diesem Grundsatz ermöglichen, sagt Heiliger.

"Die liegen in diesem Fall offenbar vor." Das Krankenhaus habe zudem umgehend für die Versorgung des Patienten gesorgt. "Es handelte sich nicht um einen Notfall, der Mann war nie in Gefahr", sagt Heiliger.

Das bestätigt eine Sprecherin des Krankenhauses. Sie betont, dass sich der Arzt korrekt verhalten habe. Weitere Auskünfte zu dem Vorgang gibt sie nicht. Die Klinik will die Privatsphäre des Arztes schützen.

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