Praxisführung

Ruheständler springen für kranke Praxischefs ein

Kranke Menschen strömen jeden Tag zahlreich in deutsche Praxen. Doch was tun, wenn der Arzt plötzlich selbst krank wird? Die Berliner Existenzgründerin Sabine Lizarraga hilft den Ärzten, eine passende Vertretung zu finden. Das Besondere an ihrem Konzept: Sie vermittelt Ruheständler.

Von Eugenie Wulfert Veröffentlicht: 07.02.2012, 13:21 Uhr
Ruheständler springen für kranke Praxischefs ein

Sabine Lizarraga von DOCback kann sich vor Anfragen nach Ruheständlern als Praxisvertretung kaum retten.

© Eugenie Wulfert

BERLIN. Überfüllte Warteräume, lange Wartezeiten und überarbeitete Ärzte: Das kennen viele Patienten. Ein wahrer Albtraum, vor allem für ältere Patienten, ist es aber, vor einer verschlossenen Praxis zu stehen, weil der Arzt selbst plötzlich akut erkrankt ist.

Den Humanmedizinern und Zahnärzten, die ihre Praxen wegen Krankheit, Urlaub oder Weiterbildung eigentlich schließen müssten, hilft nun Sabine Lizzaraga mit ihrer Mediziner-Vermittlungsagentur DOCback, schnell eine Vertretung zu finden.

"Da ich überwiegend Ruheständler vermittele, kann sich der Praxisinhaber sicher sein, dass sein Vertreter über einen reichen Erfahrungsschatz verfügt und seine Patienten sich in besten Händen befinden", sagt Lizarraga.

Einen solchen Vertreter hat der Berliner Allgemeinmediziner Dr. Georg Fibich im November vergangenen Jahres verzweifelt gesucht. "Als ich damals akut erkrankt bin, war mir schnell klar, dass ich mehrere Wochen ausfallen werde", erinnert sich Fibich.

Einerseits habe er seine Praxis aus Rücksicht auf ältere, oft gehbehinderte Patienten nicht schließen wollen, andererseits sei es unrealistisch gewesen, sich eine so lange Zeit von einem Kollegen aus der näheren Umgebung vertreten zu lassen.

DOCback sowohl für Pensionierte als auch für Niedergelassene

"Alle Praxen arbeiten hier in Lichtenberg an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Wir haben alle sehr hohe Scheinzahlen. Unter diesen Umständen kann man schon mal ein paar Patienten vertretungsweise übernehmen, aber keine ganze Sprechstunde", sagt er. Mit einem Vertretungsarzt von DOCback war das Problem schnell gelöst.

Die Idee von DOCback findet der Allgemeinmediziner sowohl für pensionierte Berufskollegen sinnvoll als auch für niedergelassene Ärzte, die oft vergeblich nach einer Vertretung suchen: "Wenn der Seniorarzt noch nicht lange aus dem Praxisalltag raus ist, ist er zweifelsohne ein sehr geeigneter Vertreter für jede Arztpraxis".

Auch Sabine Lizarraga weiß um die Vorteile von Seniorärzten: Sie haben, so die Existenzgründerin, nicht nur eine immense Berufserfahrung, sondern sind wirtschaftlich unabhängig und zeitlich flexibel.

Das Wichtigste sei aber, dass bei ihnen die Liebe zum Beruf eindeutig im Vordergrund stehe. "Sie haben ihre Praxis zwar aufgegeben, oft weil sie keine Lust mehr auf den organisatorischen und bürokratischen Aufwand hatten. Wenn sie sich dann aber entschließen, weiterzumachen, üben sie ihren Beruf mit einer wirklich großen Freude und Gelassenheit aus", berichtet die Firmenchefin.

Obwohl Lizarraga ihre kleine Vermittlungsagentur erst im Sommer 2011 gegründet hat, gebe es schon jetzt mehr Anfragen von niedergelassenen Ärzten, die sich von Ruheständlern vertreten lassen wollen, als sie vermitteln kann.

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Kommentare
Rudolf Egeler

Ruheständler als Praxisvertretung

An dem Beispiel zeigt sich einmal mehr, dass ein privat organisiertes Un- ternehmen wie DOCback den oft kläglichen (Nicht-)Anstrengungen von Ärztli-
chen Kreis-Bezirksverbänden in der Vermittlung solcher Vetretungen haus - hoch überlegen ist.Hoffentlich kommen nicht irgendwelche KV-Bürokraten und
werfen hier noch die berühmten Knüppel zwischen die Beine!


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