Aktienmarkt

Schokolade – zarte Versuchung für Anleger

Obwohl sich immer mehr Menschen gesund ernähren, steigern die Hersteller edler Schokoladen ihren Absatz von Jahr zu Jahr. Wachstumsfantasie bietet der Branche vor allem China, wo die Menschen erst jetzt die Gaumenfreuden des Kakao zu entdecken beginnen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 04.05.2019, 07:05 Uhr
Schokolade – zarte Versuchung für Anleger

Jüngere konsumieren weniger Schokolade als Ältere, aber genießen sie bewusster.

© olly / Fotolia

NEU-ISENBURG. Die Dosis macht das Gift – die weise Erkenntnis des im Mittelalter wirkenden Arztes Paracelsus trifft auch auf die Schokolade zu. In rauen Mengen verzehrt, begünstigt sie Adipositas.

Schließlich enthält nur eine Tafel bereits 500 Kilokalorien und damit ein Viertel des täglichen Energiebedarfs des modernen Büromenschen.

In kleinen Mengen genascht, ist die Gaumenfreude hingegen der Gesundheit durchaus bekömmlich, enthält sie doch Tryptophan, eine Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin, und ist damit eine Art natürliches Antidepressivum.

Für die Rendite im Wertpapier-Portfolio wiederum können Aktien von Schokolade-Produzenten interessant sein. Denn deren Kurse steigen quasi von Jahr zu Jahr. Bestes Beispiel dafür ist das Papier des Schweizer Herstellers Lindt & Sprüngli.

Dessen Börsennotierung hat sich seit 1999 verzehnfacht. Umgerechnet 67.400 Euro kostete am Freitag eine einzige Aktie des Unternehmens. Damit ist das Papier der Chocolaterie aus Kilchberg im Kanton Zürich die derzeit teuerste Einzelaktie der Welt.

Kontinuierlich steigende Gewinne

Schoko-Steckbrief

  • 67.400 Euro notierte das Papier von Lindt&Sprüngli am Freitag. Sie ist die teuerste Einzelaktie der Welt.
  • 1,8 Prozent Zuwachs verzeichnete der globale Schokoladenmarkt 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
  • 9,55 Kilogramm Schokolade verzehrte jeder Deutsche im Schnitt im vergangenen Jahr.

Ähnlich rasant entwickelt hat sich die Börsennotierung des ebenfalls in der Schweiz ansässigen Schokoladenherstellers Barry Callebaut. Allein seit Mai 2009 gewann der Kurs 235 Prozent. Die Aktie des US-Konkurrenten Hershey stieg in dieser Zeit mit 245 Prozent sogar noch etwas stärker, hingegen legte der deutsche Leitindex Dax nur um 163 Prozent zu.

Was die Kurse der Schokoladenhersteller treibt, sind ihre kontinuierlich steigenden Gewinne. Barry Callebaut verzeichnete 2018 einen Zuwachs von 22,5 Prozent beim Reingewinn in den jeweiligen Landeswährungen. Lindt & Sprüngli steigerte den Reingewinn um 7,6 Prozent auf 487,1 Millionen Franken.

Die Zahlen zeigen, dass der weltweit wachsende Trend hin zu einer gesünderen Ernährung dem Geschäft der Kakao-Veredler nicht schadet.

Im Gegenteil: „Weltweit konsumieren die Angehörigen der jüngeren Generationen zwar weniger, dafür aber bewusster“, sagt Tommaso Tabacchi, Fondsmanager bei der Luxemburger Investmentgesellschaft Gamax Management.

„Wenn sie zur Schokolade greifen, wollen sie sich etwas gönnen.“ Deshalb können insbesondere die auf hochwertige, teure Produkte fokussierten Schweizer Chocolatiers ihren Absatz und Ertrag bislang kontinuierlich steigern.

Zudem reagieren die Hersteller auf die steigende Nachfrage nach gesünderen Lebensmitteln. So hat Lindt & Sprüngli inzwischen auch Schokolade ohne Zuckerzusatz im Sortiment. Unternehmenschef Dieter Weisskopf sieht darin aber eher ein Nischenprodukt: „Menschen essen Lindt, um sich zu verwöhnen.“

Der US-Hersteller Hershey wiederum baut sein digitales Geschäft massiv aus. „Kunden, die bei Online-Händlern wie Amazon ihren Lebensmitteleinkauf tätigen, bekommen automatisch Empfehlungen für Hershey-Produkte angezeigt“, sagt Fondsmanager Tabacchi. Die Strategie scheint aufzugehen: „Der Online-Umsatz stieg zuletzt im Vergleich zum Vorquartal um mehr als 30 Prozent“, sagt Tabacchi.

Analysten mit Herz für Chocolatiers

Analysten haben die Aktien der Schokoladenproduzenten meist mit „Kaufen“ oder „Übergewichten“ eingestuft. Zu den Favoriten zählt Barry Callebaut.

Das Unternehmen aus Zürich ist auf die Schokoladen-Auftragsfertigung für große Lebensmittelkonzerne wie Mondolez und Nestlé sowie für Bäckereien, Hotels und Restaurants fokussiert.

Das treibt das Geschäft. Während der globale Schokoladenabsatz 2018 weltweit um nur 1,8 Prozent zulegte, steigerte Barry Callebaut die Verkaufsmenge um 6,3 Prozent auf 2,04 Millionen Tonnen.

Erhebliches Zuwachspotenzial sieht Vorstandschef Antoine de Saint-Affrique in China. „Dort beträgt der jährliche Pro-Kopf-Konsum nur 100 Gramm.“ Hingegen verzehrte jeder Deutsche nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie 2018 im Schnitt 9,55 Kilo Schokolade und gab dafür 46,22 Euro aus.

Die wachsende Mittelschicht in China bietet den Herstellern die Chance, langfristig den Absatz im bevölkerungsreichsten Land der Welt massiv zu steigern. Allerdings zählt Schokolade nicht zu den traditionellen Essgewohnheiten der Chinesen. „Sie müssen den Geschmack noch entdecken“, so de Saint-Affrique.

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