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Kommentar zur Finanztransaktionssteuer

Scholz’sche Fehlgeburt

Die von der Bundesregierung geplante Finanztransaktionssteuer trifft genau die Falschen – Kleinaktionäre statt Spekulanten.

Thomas MüllerVon Thomas Müller Veröffentlicht:
Scholz’sche Fehlgeburt

© Salome Roessler / lensandlight

Erinnert sich noch jemand daran, weshalb in der EU seit Jahren über eine Finanztransaktionssteuer diskutiert wird? Ein Grund ist die Krise von 2008, in der ein Handel mit toxischen Derivaten fast zum Kollaps der globalen Finanzsysteme führte.

Die Idee hinter einer solchen Steuer ist eigentlich, die Märkte zu entschleunigen, indem Transaktionen teurer werden. Doch genau der Hochfrequenz- und Derivatehandel wird nun ausgenommen: Spekulieren wird weiter belohnt, Investieren bestraft. Die Steuer soll auch nichts mehr steuern, sondern nur noch Prestigeprojekte wie die Grundrente finanzieren, mit einem weiteren Griff in die Taschen von Sparern und Kleinaktionären.

Ärzte, die ihr hart Erspartes vor der schleichenden Enteignung durch die Notenbanken – Stichwort Null- und Negativzins – an den Börsen in Sicherheit bringen wollen, müssen sich das nicht gefallen lassen: Zwar werden alle Finanzprodukte, die direkt in europäische Aktien investieren, teurer, also auch entsprechende Fonds und Riestersparpläne, es gibt aber noch genug Alternativen, etwa Aktien seriöser Unternehmen außerhalb der EU. Zudem wird die Finanzindustrie massenhaft Derivate entwickeln, um der Steuer zu entgehen – und damit vielleicht die nächste Krise befeuern. Welch eine Farce!

Schreiben Sie dem Autor: thomas.mueller@springer.com

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