Anlage-Kolumne

Stagnation unwahrscheinlich

Der Inflationstrend wird am Aktienmarkt derzeit überschätzt, das künftig zu erwartende Produktionswachstum unterschätzt.

Von Dr. Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Kommt es zu einem neuen Börsenaufschwung? Die Indizes haben sich im vergangenen halben Jahr zumeist seitwärts bewegt. Zurück in die Nähe des Jahresanfangs oder deutlich ins Minus ging es in Asien inklusive Japan. Schwach auch Gold mit -6,0 Prozent in US-Währung. Der Dax fiel – auf hohem Niveau – in der Spitze um 7,0 Prozent.. Bei der Mehrheit der US-Aktien sackten die Kurse deutlich über 10,0 Prozent ab; nur rund 60 Prozent notieren noch über der 200-Tage-Linie. Wieder einmal entwickelten sich die großen US-Aktien besser als US- oder deutsche Indizes.

Die durchwachsene Aktienentwicklung dürfte hauptsächlich auf „Stagflations“-Ängste zurückgehen. Heißt: Man befürchtet eine anhaltend hohe Inflation bei gleichzeitig ausbleibendem Wirtschaftswachstum. Bestätigt wurde diese Skepsis hinsichtlich der US-Konjunktur zuletzt durch Reallohn-Verluste. Seit sechs Monaten ziehen die Löhne in den USA schwächer an, als die Inflation. Viel hängt nun davon ab, ob die Inflation ein vorübergehendes oder ein dauerhaftes Phänomen sein wird.

Unter Berücksichtigung der Lieferengpässe spricht viel dafür, dass tatsächlich ab etwa Mitte 2022 die Inflation wieder deutlich sinken sollte. Andererseits lässt der Trend der Lohnentwicklung in den USA auch wieder wachsende Nachfrage erwarten. Die Lücke zwischen Inflation und Löhnen ist zuletzt tendenziell geschrumpft, sodass im Laufe des kommenden Jahres wieder reale Einkommenszuwächse zu erwarten sind – mit entsprechenden Konjunkturimpulsen. Auch wenn jetzt für das 3. Quartal nur sehr geringe Wachstumsraten veröffentlicht werden, sollte sich die Nachfrage 2022 beleben. Die künftige Inflation dürfte an den Börsen heute überschätzt und das künftige reale Wachstum unterschätzt werden. Die Läger der US-Unternehmen sind immer noch unterdurchschnittlich weit gefüllt, sodass auch von dieser Seite starkes Wachstum zu erwarten ist.

Fazit: Die für die Börse gefährliche Stagnation ist also doch ein eher unwahrscheinliches Szenario.

Dr. Jens Ehrhardt, unabhängiger Fondsmanager, erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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