Nordrhein-Westfalen

Streit um Top-Chefärzte im Rheinland

Kliniken der Peripherie sehen sich im Wettbewerb um gutes Personal zusehends von Universitätskliniken abgehängt.

Veröffentlicht: 03.05.2019, 07:33 Uhr

KÖLN. Die Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin sieht sich durch Expansions-Aktivitäten der mit öffentlichen Mitteln geförderten Uniklinik Bonn in ihrer Existenz bedroht. Die Klinikspitze verlangt von der Landesregierung, die Ungleichbehandlung beider Häuser zu beenden. Stein des Anstoßes ist der Aufbau eines Eltern-Kind-Zentrums an der Bonner Uniklinik. Dorthin wechseln im Herbst zwei Chefärzte von dem an der Klinik in Sankt Augustin angesiedelten Deutschen Kinderherzzentrum.

Auf das Zentrum entfallen 20 Prozent der stationären Fälle, aber 45 Prozent der stationären Klinikerlöse. „Der Weggang von bedeutenden Kinderherzspezialisten ist nicht zu kompensieren“, beklagt der Ärztliche Direktor der Kinderklinik Sankt Augustin Dr. Ehrenfried Schindler. Er spricht von einer ernsthaften Bedrohung für die Kinderklinik als Exzellenzstandort und den Erhalt der Arbeitsplätze.

Ärzte und Pflegepersonal würden aktiv abgeworben, zum Teil mit hohen Prämien, so das Management in Sankt Augustin. Geschäftsführer Uwe Jansen: „Wir fordern das Land auf, der Leitung der Uniklinik das Abwerben unseres Personal zu untersagen und uns bei der Restrukturierung des Hauses zu unterstützen.“

Die Uniklinik Bonn profitiert mit 340 Millionen Euro von dem medizinischen Modernisierungsprogramm des Landes, für das von 2016 bis 2020 insgesamt 2,2 Milliarden Euro für die Unikliniken in NRW zu Verfügung stehen.

Die Finanzspritze des Wissenschaftsministeriums für die Unikliniken hat an allen Standorten zu Ärger bei den anderen Häusern geführt, die eine Wettbewerbsverzerrung befürchten. Die Krankenhausgesellschaft NRW macht sich seit Längerem für ein zusätzliches Investitionsprogramm zugunsten der nicht-universitären Häuser in vergleichbarer Dimension stark.

Die seit Jahren mangelhafte Investitionsfinanzierung ist für die Asklepios Kliniken ein entscheidender Grund, dass die längst überfällige Sanierung der Kinderklinik nicht in Angriff genommen werden konnte, obwohl der private Betreiber nach eigenen Angaben bereit wäre, erhebliche Eigenmittel in die Hand zu nehmen.

Um wirtschaftlich planen zu können, habe man sich frühzeitig an das Gesundheitsministerium gewandt, aber bislang keine Rückmeldung erhalten, beklagt die Leitung in Sankt Augustin. Man arbeite an möglichen Szenarien für die künftige Aufstellung der Klinik. Das Management schließt auch einen Antrag an den Strukturfonds nicht aus, um eventuell Mittel für die Schließung einer Abteilung zu erhalten. Aus dem Gesundheitsministerium NRW war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Uniklinik Bonn weist die Anschuldigungen zurück. Das Eltern-Kind-Zentrum ersetze die sehr alte und nicht mehr sanierbare Kinderklinik, so der Vorstandsvorsitzende Professor Wolfgang Holzgreve der „Ärzte Zeitung“. Die Klinik habe nicht abgeworben, sondern einige Pflegekräfte und Ärzte wollten weiter mit ihren vertrauten Chefs zusammenarbeiten.

„Wir haben noch nie Prämien bezahlt“, betont er. Als einen Grund für den geplanten Wechsel von Chefarzt Professor Boulos Asfour an die Uniklinik sieht er die Tatsache, dass im Asklepios-Klinikum die Geburtshilfe geschlossen wurde.

Während sich im Rheinland Kliniken über die Millionen-Finanzierung von Kinderkliniken streiten, haben Wissenschaftler auf dem 1. Deutschen Kindergesundheitsgipfel in Tutzing gerade erst beklagt, dass es in Kinderkliniken an Zeit und Geld mangele. (iss)

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