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Deutschland

Talsohle im Medizintourismus erreicht?

Medizintourismusexperte Jens Juszczak sieht Anzeichen dafür, dass 2017 die Trendwende eingeläutet werden konnte und Deutschland wieder mehr Medizintouristen anzieht.

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SANKT AUGUSTIN. Der Medizintourismus könnte in Deutschland im vergangenen Jahr seine Talsohle erreicht haben. Das schätzt zumindest Jens Juszczak, bei der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) Leiter des Forschungsbereichs Medizintourismus.

Nach seinen jetzt veröffentlichten Erhebungen ließen sich 2016 mehr als 253.000 Patienten aus 181 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln und bescherten dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Der Rückgang der Patientenzahlen gegenüber dem Vorjahr betrug 1,1 Prozent – 2015 verzeichnete Deutschland noch 255000 Medizintouristen. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor.

Wie bereits im Vorjahr setzte sich der Abwärtstrend zweier wichtiger GUS-Quellmärkte laut Juszczak auch 2016 fort: Russland verzeichnete demnach einen Rückgang von rund 13 Prozent und Kasachstan von 32 Prozent. Dass 2017 die Talsohle erreicht sein könnte und vor allem aus Russland wieder mehr Patienten in deutsche Gesundheitseinrichtungen kommen, vernimmt der Medizintourismusexperte von Anbieterseite der Gesundheitsdienstleistungen.

"Rückmeldungen aus einzelnen Krankenhäusern deuten auf eine Stabilisierung der Nachfrage hin", so Juszczak. In der Ukraine sei es bereits zur Trendumkehr gekommen, hier seien die Patientenzahlen um fast acht Prozent gestiegen. Aufgrund der im Jahr 2017 in Kraft getretenen Visafreiheit dürfte sich dies in den Folgejahren fortsetzen, prognostiziert Juszczak.

Die seit mehr als vier Jahren schwelende Sezessions- und Wirtschaftskrise in der Ukraine sowie die Abwertung der Landeswährung Giwna hatte auch auf die Medizintouristen durchgeschlagen.

Einen Dämpfer erfuhr die deutsche Medizintourismuswirtschaft 2016 auch aus den Golfstaaten. Laut H-BRS brachen die medizinischen Behandlungsreisen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten um acht Prozent, aus Saudi-Arabien um 20 Prozent, aus Katar um 13 Prozent und aus dem Oman gar um 36 Prozent ein.

"Neben der vorhandenen starken Volatilität der Nachfrage in diesen Märkten zeichnen ökonomische und politische Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich. Haushaltsdefizite, die Einführung der Mehrwertsteuer in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Budgetkürzungen in vielen Bereichen weisen darauf hin, dass zukünftig eher weniger finanzielle Mittel für Auslandsbehandlungen in vielen Golfstaaten zur Verfügung gestellt werden", so Juszczak.

Außenpolitische Krisen in der Golfregion und innenpolitische Strukturveränderungen, insbesondere das Vorgehen gegen Korruption und Veruntreuung in einzelnen Golfstaaten, unterstützten diese Vermutung. Hintergrund ist, dass in den meisten Fällen sämtliche Behandlungskosten Einheimischer im Ausland vom Außenministerium oder einem anderen Ministerium bezahlt werden. (maw)

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