Geld und Vermögen

Unsicherheit ist derzeit die einzige Konstante

Anleger erleben dieser Tage einen Crash der Aktienmärkte. Inzwischen herrscht die blanke Angst - und die nährt sich selbst. Man muss sich fragen: Wenn das so weitergeht - wann gibt es die Unternehmen zum Nulltarif?

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht:

Anleger sind momentan Zeugen eines weltweiten Crashs der Aktienmärkte. Der Dax fiel innerhalb von zwei Wochen um 1500 Punkte. Begründet wird dies mit der globalen Finanzkrise und einer weltweiten Rezession. Inzwischen herrscht die blanke Angst - und die nährt sich selbst. Man muss sich fragen: Wenn das so weitergeht - wann gibt es die Unternehmen zum Nulltarif?

Das Weltfinanzsystem steht am Abgrund

Die Immobilienkrise in den USA und die unverantwortliche Politik der Banker bei der Kreditvergabe hat das Weltfinanzsystem an den Rand des Abgrunds oder noch ein Stück weiter gebracht. Jetzt wird eine weltweite Rezession befürchtet, was die Aktienkurse ins scheinbar Bodenlose fallen lässt. Sparer haben Angst um ihr Geld auf dem Bankkonto, Anleger verkaufen panisch Aktien und Hedge Fonds müssen ihre Positionen liquidieren. Auf der anderen Seite gehen Investoren wie der seit Jahrzehnten überaus erfolgreiche Warren Buffet auf Einkaufstour.

  • Aktien: Der deutsche Aktienindex (Dax) hat seinen Abwärtstrend enorm verschärft und befindet sich mit anderen Indizes im Stadium des Ausverkaufs. Wann dieser endet, ist nicht vorherzusagen. Der hochemotionale Zustand kann aber nicht monatelang andauern. Im Gegenteil: Die hohen Verluste am Aktienmarkt, gepaart mit einem hohen Umsatz, deuten darauf hin, dass wir einem zumindest temporären Wendepunkt nicht mehr fern sind.

In den Herbstmonaten kommt es oft zu einer Umkehr - so war es im Oktober 1997 und im Oktober 1998. Ähnlich die Situation im September 2001: Im Monat der Terroranschläge auf die USA stürzte der Dax auf gut 3500 Punkte ab und schoss dann bis Ende März 2002 auf knapp 5500 Punkte hoch. Dies geschah innerhalb eines mehrjährigen Abwärtstrends, der den Dax bis April 2003 noch auf 2200 Punkte abstürzen ließ.

Wer sich an der regelmäßig hier veröffentlichten Marktanalyse orientiert hat, dürfte nicht mehr allzu viele Aktien im Depot haben - es sei denn, er ist sehr langfristig orientiert. Wer noch Papiere hat, steht vor der Wahl, entweder blindlings zu verkaufen -was je nach Einstiegskurs wohl eher nicht zu empfehlen ist - oder einen Anstieg der Kurse abzuwarten. Ein solcher Anstieg könnte den Dax bis über die Marke von 6000 Punkten heben, ohne dass dadurch der übergeordnete Abwärtstrend beendet würde.

  • Anleihen: Die Anleihekurse profitieren einmal mehr von der allgemeinen Unsicherheit. In der Tat ist der Euro Bund Future als Maßstab für die Anleihekurse im Euro-Raum von 110 Zählern im Juli auf knapp 117 Zähler gestiegen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Staatsanleihen momentan sehr gefragt sind und der Zins für diese Papiere auf Grund der hohen Nachfrage sinkt.

Das ist typisch für die erste Phase einer Rezession. Wenn die langfristigen Zinsen sinken, gibt das Notenbanken die Möglichkeit, auch die kurzfristigen Leitzinsen zu senken. Genau das haben die maßgeblichen Notenbanken getan: In einer konzertierten Aktion senkten sie die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte. Es steht zu hoffen, dass die Maßnahmen ihre konjunkturfördernde Wirkung nicht verfehlen, wenn der Geldhandel zwischen den Banken wieder funktioniert.

  • Rohstoffe: Die Rohstoffe, wie sie im Index des Commodity Research Bureau (CRB) zusammengefasst sind, haben ihr Hoch im Juni dieses Jahres erreicht. Seitdem sind sie auf einer extrem steilen Abwärtsfahrt. Drastisch ist die Situation beim Rohöl, das mit 78 US-Dollar nur auf gut 50 Prozent des Allzeit-Hochs notiert. Auch der Kupferpreis als verlässlicher Konjunktur-Indikator ist seit seinem Hoch im Juli um fast 50 Prozent eingestürzt. Deutlich besser hält sich der Goldpreis, denn das Edelmetall gilt vielen Anlegern auch als Krisenwährung.
  • Aktuelle Rezession folgt dem bekannten Muster Auch diese Rezession folgt bislang dem Muster, das für den Fluss des Kapitals zwischen den Anlageklassen Anleihen, Aktien und Rohstoffen typisch ist. Zuerst steigen die Anleihekurse; spiegelbildlich dazu sinken die langfristigen Zinsen. Im Tief der Rezession markieren dann die Aktien ihr Tief. Ob das jetzt schon der Fall ist oder ob nach einer zeitweiligen Erholung noch tiefere Kurse bevorstehen, lässt sich indes nicht sagen. Lesen Sie dazu auch: Mutige Anleger gehen gerade jetzt auf Schnäppchenjagd
Mehr zum Thema

Geldanlage

Indexfonds: Immer günstig, aber nicht immer gut

Platow-Empfehlung

Gea landet Coup in den USA

Konjunkturprognose

Große Erholung kommt erst nächstes Jahr

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Derzeit haben rund 400 Ärztinnen und Ärzte in Bayern die Zusatzbezeichnung Homöopathie erlangt. Künftig ist dies nicht mehr möglich.

© Mediteraneo / stock.adobe.com

80. Bayerischer Ärztetag

Bayern streicht Homöopathie aus Weiterbildungsordnung

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Update

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit