Direkt zum Inhaltsbereich

BGH-Urteil

Vollmachtswiderruf muss Betreuer ausdrücklich zugewiesen sein

Ein „für alle Angelegenheiten“ bestellter Betreuer darf nicht automatisch Vollmachten widerrufen.

Veröffentlicht:

Karlsruhe. Auch ein „für alle Angelegenheiten“ bestellter Betreuer darf noch nicht automatisch Vollmachten widerrufen, etwa eine Vorsorgevollmacht. Das hat der Bundesgerichtshof kürzlich entschieden. Dies sei ein so wichtiger Bereich, dass er dem Betreuer „ausdrücklich zugewiesen“ werden muss.

Damit bestätigte der BGH das Vorgehen des Amtsgerichts Schwandorf im Fall einer heute 96-jährigen Frau. Sie hatte ihrem Sohn eine Vorsorgevollmacht erteilt. 2017 richtete das Amtsgericht eine Betreuung mit schon umfassenden Aufgabenkreisen ein. Später erweiterte das Gericht die Betreuung auf „alle Angelegenheiten“, die Zuständigkeit für sämtliche Post „und Widerruf der Vorsorgevollmacht“.

Dagegen legte der Sohn für seine Mutter und auch im eigenen Namen Beschwerde ein. Diese hatte schon vor dem Landgericht Amberg und nun auch vor dem BGH keinen Erfolg.

Angesichts der senilen Demenz der alten Frau sei ihr Betreuungsbedarf unbestritten. Dieser werde auch nicht durch die dem Sohn erteilte Vorsorgevollmacht beschränkt.

Eignung entscheidend

Der Widerruf einer solchen Vollmacht sei allerdings „ein schwerwiegender Grundrechtseingriff“. Er müsse dem Betreuer daher „ausdrücklich zugewiesen werden“, und zwar „auch dann, wenn im Übrigen eine Betreuung für alle Angelegenheiten eingerichtet ist“.

Dies sei hier aber auch geschehen – und zwar zu Recht. Der Sohn sei als Vorsorgebevollmächtigter seiner Mutter „dauerhaft ungeeignet“. Er habe sie in einem Heim untergebracht, ohne sich dann ausreichend um sie oder auch nur ihre Post zu kümmern. So sei die alte Frau „unterkühlt und dehydriert, eingenässt und nahezu unbekleidet“ in ihrem Bett aufgefunden worden. (mwo)

Bundesgerichtshof, Az.: XII ZB 61/20

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Urteil

Kostenfreie ärztliche Beratung als „verbotene Zuwendung“

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

© Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Arztsuche: Was steckt hinter Empfehlungslisten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BurdaVerlag Data Publishing GmbH

Übersicht

Eine Agenda für Seltene Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Shared Decision Making ist gerade bei der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen ein wichtiges Versorgungsprinzip. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Seltene Erkrankungen

Was auch Patienten tun können

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Sicht eines Patienten mit AMD: Das zentrale Sehen ist stark eingeschränkt durch einen dunklen Fleck.

© Tunatura - stock.adobe.com

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening